Alles noch wegen einer Bombe – #WritingFriday, KW 6

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Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen. Hier ist mein Beitrag für diese Woche.

Gewähltes Monatsthema:
Erwin, ein 74 jähriger Senior, entreißt von zu Hause – erzähle von seinem Abenteuer. (Bedenke dabei, er wird nach nur 17 Stunden wieder gefunden und nach Hause gebracht.)

„Schwester Angelina ist also nicht mehr“, dachte sich Erwin, als er so in seinem Zimmer saß. Ein paar Tage vorher hatte er noch mit seinen Kindern seinen 74. Geburtstag gefeiert – ob er den 75. noch erleben würde?
Schwester Angelina war immer seine Lieblingsschwester gewesen in diesem Heim, immer wieder hatte sie einen lustigen Spruch auf den Lippen. Und nun war sie einer Fliegerbombe zum Opfer gefallen, wie er einem Gespräch der Heimleiterin mit Schwester Lilly entnommen hatte. Diese Schwester mochte er weitaus weniger, sie hatte nie Zeit für einen. Gab es das denn wirklich noch? Irgendwie hatte er es in Erinnerung, dass der Krieg zu Ende ging, noch bevor er ein Jahr alt wurde. Das Haus seiner Eltern war allerdings von so einer Bombe zerstört worden. Da mussten sie aus ihrer Heimat fliehen, und auf dieser Flucht wurde er geboren, direkt auf dem zugefrorenen See am Stadtrand.
Jetzt war der Krieg also zurückgekehrt – aber diesen See wollte er noch einmal sehen, wohin er mit seiner Familie Sonntags so viele Ausflüge unternommen hatte.

Erst einmal kam er nicht dazu, denn Schwester Lilly brachte ihm das Abendessen; und gleich, nachdem er aufgegessen hatte, wollte sie ihn ins Bett bringen.
Er wollte widersprechen:
„Heute Nacht müssen wir in den Keller! Wie bei meinen Eltern!“
„Ach, Unsinn“, sagte sie. „Die sind doch längst tot. Aber wenn Sie noch nicht wollen, kann Sie auch die Nachtschwester ins Bett bringen!“
So ließ sie ihn sitzen. Bis die Nachtschwester nach ihm sah, konnten noch Stunden vergehen, da konnte er durchs Fenster abhauen!

Zum Glück lag sein Zimmer im Erdgeschoss, so holte er sich nur ein paar Schrammen. Den Weg zum See fand er auch im Dunkel im Schlaf.
Wieder einmal war der See zugefroren, genau wie bei seiner Geburt, wie man ihm erzählt hatte. Auf der Bank ließ es sich bequem sitzen, bis in den Mittag des nächsten Tages hinein. Passiert war jedenfalls immer noch nichts!

Doch nun hörte er die Stimmen seiner Tochter und seines Sohnes: „Papa!“, riefen sie. „Da bist du tatsächlich!“
„Die Heimleitung hat es heute Morgen schon versucht, uns zu erreichen; aber wir waren alle nicht zu Hause!“
Doch er starrte nur auf eine andere Person.
„Sind Sie von den Toten auferstanden, Angelina?“, fragte er die Schwester, die mit seinen Kindern gekommen war.
„Aber nein; wie kommen Sie denn darauf?“, erwiderte sie. „Kommen Sie jetzt besser mit, Sie erfrieren hier sonst noch!“
„Ich hörte, Ihr Haus wäre von einer Bombe getroffen worden, wie das Haus meiner Eltern!“, sagte er, und sie entgegnete:
„Der Krieg ist doch lange vorbei! Aber gestern wurde auf meinem Weg eine Fliegerbombe entschärft, da konnte ich nicht in die Stadt fahren, die Heimleitung hat mir frei gegeben!“
Und seine Kinder sagten:
„Jetzt komm bitte wirklich mit!“
„Und nächsten Sonntag besuchen wir dich. Da gehen wir wieder zum See, sehen, ob er noch zugefroren ist!“

 

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Klara und Obscura – #WritingFriday, KW 4

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Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen. Hier ist mein Beitrag für diese Woche.

Gewähltes Monatsthema:

Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Endlich schien es für Klara wieder bergauf zu gehen, nachdem sie …“ beginnt.

Endlich schien es für Klara wieder bergauf zu gehen, nachdem sie den ersten Felsen schon hinaufgeklettert war, und nachdem ihre Beine in den letzten Monaten zu wenig Bewegung gehabt hatten. Aber ihre sicherste Zeit war es nun einmal, wenn ordentlich Schnee lag.
Gerade war der erste Schnee in diesem Tal gefallen, aber noch nicht alle Blätter von den Bäumen abgefallen.

Und die Birke oberhalb dieser Wendeltreppen-Felsen mochte Klara immer besonders gerne. Ihre Schwester Obscura rief ihr schon von unten zu:
„Du schaffst es, Klara! Kein Wolf wird dich in dem Schnee entdecken!“
Da hatte Obscura ganz sicher Recht, dachte sich Klara.

Sie kletterte weiter die Wendeltreppen-Felsen hinauf, bis sie bei ihrer Lieblingsbirke angelangt war, deren Blätter immer so besonders schmackhaft waren. Auch dieses Mal wurde sie nicht enttäuscht, die verbliebenen Blätter schmeckten wieder einmal himmlisch!

Und kein Wolf würde sie hier im Schnee und neben dem Baum mit der weißen Rinde so leicht sehen können. Denn Klara hatte das weißeste Fell von allen Ziegen im ganzen Tal, im Gegensatz zu ihrer Schwester Obscura mit dem schon fast schwarzen Fell, die sich darum am liebsten in matschigem Gelände aufhielt, oder zwischen Bäumen, die eng beieinander standen.

Schön war auch die Sicht von hier oben auf das Tal. Da konnte Klara ihre Schwestern und ihre bockigen Brüder gut warnen, wenn ein Wolf kam, oder wenn der Hirtenjunge an seinem Feuer erwachte!

Die Fee Glattbruchka und ihr See – #WritingFriday, KW 3

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Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen. Hier ist mein Beitrag für diese Woche.

Gewähltes Monatsthema:
Erzähle eine Geschichte über den gefrorenen See in deiner Kleinstadt.

„Schon weitgehend zugefroren, mit noch einigen Schwachstellen“, dachte sich Glattbruchka, eine Fee, deren Haare und Umhang halb grau, halb schwarz schimmerten.
„Wann werden sich die ersten Menschen wieder auf das Eis wagen?“, fragte sie Walladri, ihren Lieblingswels, der gerade mit dem Kopf das Eis an einer dünnen Stelle durchbrach.
Der Wels sagte dazu:
„Bald werde ich mich auf den Grund des Sees zurückziehen; aber ich glaube, ich werde vorher noch einen Menschen hier auf Eis einbrechen sehen!“
„Macht dir das Spaß?“, fragte die Fee, worauf der Fisch erwiderte:
„Ich möchte es denen nicht gönnen; aber manchmal macht es auch Spaß, mit den Untergegangenen zu spielen, indem wir großen Fische sie uns gegenseitig mit den Mäulern zuspielen!“
„Bitte, wenn es euch gefällt – und da hinten kommt auch schon einer!“
„Wirst du ihn auswählen?“
Da sagte die Fee:
„Dafür habe ich einmal meinen eigenen Schwur abgelegt: Weder bestrafe ich die Bösen, noch belohne ich die Guten – sondern ich lasse nur die Leichtsinnigsten durchs Eis brechen! Einmal musste ich das sogar einen ertrinken lassen, der sein Kind aus einem Eisloch ziehen wollte – doch er wog so viel, und er hat sich nicht einmal auf seinen deutlich sichtbaren Bauch gelegt, sondern blieb auf zwei Beinen am Loch stehen – da brach er unweigerlich ein!“
„Und das Kind?“
„Konnte gerettet werden?“

Jetzt beobachteten sie den Mann, der etwas in seinen Armen trug und damit auf das brüchige Eis trat. Mit schnellen Schritten schaffte er es bis fast zur Mitte des Sees, dann aber brach er ein und verlor seine Last – einen anderen Mann, der offenbar schon tot war, vielleicht ermordet.
Zu diesem toten Mann schwamm der Wels rasch hin, und gleich darauf zurück zu der Fee und sagte zu dieser:
„Den toten Mann habe ich hier schon gesehen: Es ist einer, der schon seit Jahren immer wieder an den See gekommen ist und uns Fische geärgert hat, sogar mit Steinen nach uns geworfen hat, wenn er baden wollte. Einen Hecht traf der dabei einmal sogar tödlich!“
Die Fee erwiderte:
„So werden jetzt beide Männer im See verschwinden – mein Schwur gebietet es mir, diejenigen Menschen versinken zu lassen, die sich allzu respektlos gegenüber dem Eis verhalten!“
„Das gilt aber nicht für mich!“, sagte der Wels und tauchte unter.

Kurz darauf erschien er mit einem Hecht vor dem Mann, der den toten Mann getragen hatte und mit den Armen um sein Leben kämpfte.

Ängstlich sah der Mann zu ihnen hin; da blickten der Wels und der Hecht zu ihm auf und sprachen:
„Ich bin der Wels Walladri!“
„Und ich der Hecht Hehedi!“
„Die Fee Glattbruchka hat beschlossen, dich absinken zu lassen!“
„Das gilt aber nicht für uns!“, sagte der Hecht. „Der Mann, den du versenkt hast, hat vor einiger Zeit meinen Bruder getötet; daher wollen wir dieses Mal dich retten!“
Daraufhin steckten Walladri und Hehedi die Köpfe zusammen, wobei der Wels mit seinen Bartfäden und Barteln den Kopf des Hechtes umfasste. Dann richteten sich auf, soweit sie konnten, wobei der Hecht sagte:
„Komm, Mensch, steige auf unsere Köpfe!“
„Den Weg zurück musst du aber auf dem Bauch kriechen, sonst brichst du wieder ein, und noch einmal helfen wir dir nicht!“
Daraufhin kletterte der Mann an den Fischen hoch; und als er auf ihren Köpfen stand, konnte er sich auf das Eis ziehen. Vorsichtig kroch er auf dem Bauch zurück ans Ufer, und die zwei Fische tauchten wieder unter.

Die Fee Glattbruchka hatte das Geschehen beobachtet. Als Walladri neben ihr erneut auftauchte, sprach sie zu ihm:
„Da habt ihr euch aber Mühe gegeben, diesen Menschen zu retten!“
„War auch mal ein ganz lustiges Spiel, vor allem für den Hecht!“
„Von mir aus könnt ihr es spielen, so oft ihr wollt. Es berührt meinen Schwur nicht; dieser ist erfüllt, wenn ein respektloser Mensch zumindest im Eis einbricht! Ihr müsst euch dann nur beeilen, wenn ihr noch rechtzeitig zur Stelle sein wollt.“

Drei Wünsche im Eiszapfen-Dreizack / #WritingFriday Special

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Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen.
Diesen Monat allerdings gibt es 24 Tage lang jeden Tag einen Beitrag – gestern von Kiras kleiner Leseecke, heute von mir, und morgen von Mein Traum frei zu sein.

Hier also nun mein Beitrag:

Etwas klopfte ans Fenster, gegen Mitternacht.
„Ich glaub, ich habe endlich einen Elch gesehen!“, rief der achtjährige Thaddäus aus und drückte seine Nase ans Fenster.
„Von denen träumst du doch schon die ganzen Tage hier!“, sagte Tamara, seine ältere Schwester, schläfrig und drehte sich auf die andere Seite.

Am nächsten Morgen, dem Tag der Abreise, hatte es heftig geschneit, vielleicht schon zu heftig, in diesem Tal im Mittelgebirge. Denn die einzige Straße, die aus diesem Tal hinausführte, war vollkommen zugeschneit, wo sie zum Ausgang des Tales anstieg.
So war der Reisebus gezwungen, anzuhalten, mitten auf einer weiten Schneefläche. In einiger Entfernung waren die Berghänge mit ihren verschneiten Tannen und Fichten zu sehen.

Wenigstens passierte dies neben einem großen Schneemann, dieser musste ungefähr zwei Meter hoch sein. Auf der Hinfahrt hatte ihn noch niemand gesehen.
Einige Fahrgäste stiegen aus, besonders die Kinder.
„Wer hat dich denn gebaut?“, fragte Thaddäus.
„Er kann dich doch nicht verstehen!“, sagte Tamara zu ihm.
Zu ihrer Überraschung aber antwortete der Schneemann:
„Der Elch Schneeschaufler!“
„Dann nenne ich dich Elchfreund!“, sagte Thaddäus.
„Dieser Name gefällt mir!“, meinte der Schneemann und erzählte dann:
„Wenn ihr diesem Elch das Richtige zum Fressen gebt, wird er so groß, dass er mit seinen Schaufeln den Schnee von der Straße wegräumt!“
„Ach was!“, sagte Tamara.
„Ist jemand unter euch, der besonders gut tauchen kann?“, fragte der Schneemann.
„Ja, ich!“, erwiderte Frau Tannenbacher, die Mutter von Tamara und Thaddäus. „Auch im Eis, dies habe ich im See beim Hotel geübt, noch bevor dieser See zufror!“
„Diesmal wirst du in das Flüsschen dort hinten tauchen! Dort könntest du einer Feerelle begegnen, die weiß, wo das Lieblingskraut des Elches wächst!“
„Eine Forelle mit Feenkräften – gibt es die wirklich?“, fragte sie skeptisch, und der Schneemann erwiderte:
„In diesem Tal schon, du wirst sehen!“

Frau Tannenbacher zog ihren Tauchanzug an und stieg in das Flüsschen, das sich aus zwei Bächen bildete, die von beiden Seiten des Tals kamen.

Sie tauchte eine Weile umher – und schließlich kam aus einem dieser Bäche eine Forelle auf sie zu geschwommen, mit einer Blaufärbung!
Eine Weile musterte die Forelle die Taucherin, dann sprach sie:
„Ich bin die Feerelle Eisbachschnelle,
ich wach hier über die Quelle und die Welle!
Siehst du in der Ferne die dunkelblaue Stelle?
Dort hat der Dämon der Lawinen seine Höhle!
Hörst du auch diesen fernen Klang?
Das ist des Dämons Lockgesang!

Mensch vom Land, wie heißt du, und wie bist du hierher gelangt?“

„Ich heiße Tanja Tannenbacher, und ich bin eine gute Taucherin! Und du kannst nicht nur sprechen, sondern auch zaubern?“
„Das kann ich! Du möchtest mit den anderen Menschen raus aus diesem Tal?“
„Ja, das möchten wir möglichst bald, noch bevor es dunkel wird!“

„Dann musst du zur Höhle des Lawinendämons – aber nur bis zum Eingang – und dort drei Eiszapfen abbrechen. Diese werden dann einen Dreizack bilden.“
„Und wenn ich dem Dämon begegne?“
„Wünsch dir am besten gleich etwas, was ihm gefallen wird! Dieser Wunsch wird in einen der Eiszapfen schlüpfen.“
„Dann wird uns der Dämon in Frieden ziehen lassen?“
„Dich zumindest. Anschließend bringst du den Dreizack zu deinen Leuten. Wenn dann zwei weitere Menschen unterschiedlichen Alters einen Wunsch in je einen dieser Eiszapfen stecken, wird der Bach eine Fläche frei spülen, auf der das Lieblingskraut des Elches wächst. Und wenn der Elch dieses Kraut gefressen hat, wird er groß werden! Viel Glück!“
Jetzt schwamm die Feerelle davon, und Frau Tannenbacher zu dieser Höhle. Dort erblickte sie oberhalb der Wasseroberfläche, inmitten von ein paar kahlen Felsen, tatsächlich drei Eiszapfen nebeneinander, während eine Melodie erklang, die sich ungefähr so anhörte, als würde der Wind „Kling, Glöckchen, kling“ spielen.
Frau Tannenbacher fasste instinktiv den mittleren Eiszapfen an. Dabei äußerte sie den Wunsch:
„Mögen in diesem Winter die Gletscher ordentlich wachsen und im nächsten Jahr nicht so stark schrumpfen wie sonst oft!“
Daraufhin brachen die drei Eiszapfen ab und formten in ihrer Hand einen Dreizack. Mit diesem begab sich Frau Tannenbacher zurück zu ihrer Gruppe und erzählte den anderen von ihrem Erlebnis.
Da fasste ihr Sohn Thaddäus einen weiteren Eiszapfen und sagte:
„Der Kevin aus meiner Klasse soll auch ein schönes Weihnachtsgeschenk erhalten – seine Familie hat so wenig!“
Kurz darauf trat der weißhaarige Peter Pilzdorfer vor und sprach zu dem dritten Eiszapfen:
„Ich bin jetzt 88 Jahre alt, hatte früher einen acht Jahre älteren Bruder. Der ist im Krieg verschollen – möge er nun seinen Frieden finden!“
Jetzt spülte einer der Bäche eine Fläche vom Schnee frei, und darunter kamen ein paar rote und lilafarbene Kräuter zum Vorschein.
Daraufhin trabte ein Elch herbei, fraß diese Kräuter auf und nahm danach an Größe zu – war schließlich ähnlich groß, wie es ein Brachiosaurus gewesen sein mag.
Mit seinem Geweih schaufelte er nun den Schnee auf der Straße beiseite, und der Bus setzte sich alsbald in Bewegung.

Schließlich konnte der Fahrer den Bus über den Pass bringen, hielt aber vorher kurz an, so dass sich die Reisenden noch einmal umdrehen konnten und jetzt beobachteten, wie der Elch Schneeschaufler langsam zu seiner normalen Größe zurück schrumpfte.

Bald erreichte er Elchfreund, seinen Schneemann, stellte sich hinter diesen und lud auf sein Geweih eine Ladung Schnee, so dass es nun aussah, als winke der Schneemann dem Reisebus nach, der kurz darauf aus seiner Sichtweite verschwand.

 

 

Das Gran-Moreno-Eis, #WritingFriday, KW 47

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Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen. Hier ist mein Beitrag für diese Woche.
https://readbooksandfallinlove.com/
https://readbooksandfallinlove.com/2018/11/09/henriette-writingfriday-week-45/

Gewähltes Monatsthema:

Erzähle wie die Welt aussehen würde, wenn es überall nur noch eine Jahreszeit geben würde.

Wieder einmal war es ein heißer Tag, nachdem nun schon mehrere Jahre permanent Sommer herrschte.
Heizungen wurden in neue Häuser gar nicht mehr immer eingebaut, dafür überall Klimaanlagen. Und Gefrierfächer waren noch beliebter als zuvor.
Als Dinah und Dieter aus der Schule kamen, riefen sie dann auch sogleich aus:
„Gibt es neues Eis?“
„Heute war der Heimweg besonders heiß!“
„Langsam, langsam!“, sagte ihr Vater. „Mutter ist noch beim Einkaufen!“
Ein paar Minuten später kam die Mutter zurück, und die Kinder liefen ihr sogleich entgegen.
„Heute hat es länger gedauert“, sagte sie. „Dafür habe ich viel Eis mitgebracht!“
Da riefen die Kinder aus:
„Au ja!“ „Ist es wieder Gran Moreno?“

Es herrschte also permanent Sommer auf der Nordhalbkugel, durch eine Veränderung der Erdachse, und auf der Südhalbkugel war seitdem nur noch Winter.
In Südamerika etwa oder in Neuseeland wuchsen die Gletscher seither umso stärker, während sie in der Arktis immer weiter schmolzen. In der Tundra wuchsen langsam mehr Bäume, während sie in Neuseeland am Verschwinden waren.
Seit ein paar Monaten nun waren die Antarktis und Südamerika, wohl endgültig, durch eine Gletscherbrücke miteinander verbunden.
Man nannte diesen Gletscher mittlerweile „Gran Moreno“, nach dem schon bestehenden Perito Moreno, der nun einen Teil dieser Brücke bildete. Und es hatte nicht lange gedauert, bis ein Eishersteller auf die Idee gekommen war, eine Eissorte nach diesem Gletscher zu benennen, und diese Sorte war schon bald ein Renner geworden.

Auf die Frage ihrer Kinder antwortete die Mutter:
„Weshalb ich heute länger gebraucht habe: Ich habe wieder das Gran Moreno mitgebracht! Dazu ein paar Broschüren, die im Markt auf dem Eisfach auslagen. Darin könnt ihr einiges lesen, auch über Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen, weil es dort zu heiß und trocken, oder auch zu kalt wird!“
Interessiert sahen sich die Kinder die Broschüren an, in denen auch ein Wettbewerb ausgeschrieben wurde. Und zwar ging es darum, nach dem Verzehr des Eises die Stiele zu sammeln und aus ihnen etwas zu basteln. Mit diesen Basteleien wollte der Eishersteller gemeinsam mit einigen Bundesministerien eine Ausstellung eröffnen, deren Erlöse den Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, zugute kämen.
Einige Zeit später, nach dem Mittagessen, sagte Dieter:
„Ich baue aus den Stielen eine Holzbrücke!“
Dinah fuhr fort:
„Und ich Eisenbahnschienen, die über die Brücke führen, bis nach Südamerika!“
Die Eltern meinten dazu:
„Ja, wenn sich ein paar Millionen Kinder an dem Wettbewerb beteiligen …“
„… dann könnte die vielen Holzstiele wirklich einen langen Weg ergeben, selbst wenn sie nicht hintereinander gelegt sind!“

Die Fee Henriette und die Hinrichtungen – #WritingFriday, KW 45

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Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen. Hier ist mein Beitrag für diese Woche.

Gewähltes Monatsthema:

Henriette war eine ganz einfache Fee. Was jedoch niemand wusste war…

Henriette war eine ganz einfache Fee. Was jedoch niemand wusste, war, dass sie hinter dieser Einfachheit ein Geheimnis verbarg. Denn ihr Name war ihr etwas mehr als dreihundert Jahre zuvor von zwei älteren Feen gegeben worden, nachdem sie gerade aus einer Blüte geschlüpft war.

Eine dieser älteren Feen lebte lange in England am Hof von Henry VIII, konnte aber erst bei dessen sechster Frau verhindern, dass sie hingerichtet wurde. Und die andere lebte in Frankreich, wollte König Henry IV beschützen, war aber gerade abwesend, als sich ein Attentäter auf den König stürzte.

Die neu geschlüpfte Fee mit dem Namen „Henriette“ sollte dann also Personen, die „Henry“ oder ähnlich hießen, vor Hinrichtungen beschützen oder von Hinrichtungen abhalten, und sich dabei möglichst unauffällig verhalten.

Seitdem waren nun mehr als dreihundert Jahre vergangen. In letzter Zeit war für die Fee diese Aufgabe besonders schwierig geworden. Denn seit mehr als fünf Jahren herrschte Krieg, und inzwischen hatte die Fee eine ebenso graue Farbe angenommen wie die Stadt mit ihren vielen Trümmern, dem Schutt und der Asche.

Das Augenmerk der Fee Henriette fiel nun auf einen Mann in einer abgestandenen braunen Uniform, der zu einer Gruppe Männer unterschiedlichen Alters sprach, die sich in einer Straße inmitten mehrstöckiger Häuser aufgereiht hatten.

Einer von ihnen fragte den Anführer in der braunen Uniform, der sich vor seiner Ansprache erst lange räuspern musste:

„Also, Herr Hinrichsen, wie sollen wir nun verfahren?“

Dieser sagte nun:

„Erst einmal begrüße ich euch alle an diesem Morgen des 5. Mai 1945! Offiziell sollen wir unser Viertel gegen die Russen verteidigen …“

„Die sind schon mitten in Berlin!“, rief einer aus, worauf Herr Hinrichsen fortfuhr:

„Aber ist ja sinnlos geworden!“

 

Währenddessen marschierte ein paar Straßen weiter ein Trupp der SS, und deren Anführer erklärte seinen Leuten:

„Die Kampfdisziplin in dieser Stadt scheint nachzulassen. Also: Jeden, der sich weigert zu kämpfen, sofort niederschießen!“

 

Ein weiterer Mann aus Herrn Hinrichsens Truppe fragte:

„Ist es sicher, dass bald jemand die Kapitulation unterzeichnet?“

„Ja, das wird in den nächsten Tagen geschehen“, erklärte Herr Hinrichsen. „Also geht heim!“

Er selbst machte kehrt, und nach und nach taten dies immer mehr von seinen Leuten.

 

Nun sah die Fee Henriette ihre Stunde gekommen, fast auf den Tag genau 335 Jahre nach dem Attentat auf Henry IV von Frankreich. Denn Herr Hinrichsen und ein Teil seiner Männer bewegten sich geradewegs auf den Trupp der SS zu. Da musste sie schleunigst verhindern, dass es zu weiteren Hinrichtungen kam!

Sie flog auf die SS zu und streute hellgrauen Feenstaub über sie aus. Dieser Feenstaub betäubte die Männer, versetzte sie in eine Art euphorischen Rausch, so dass sie Hinrichsens Leute unbehelligt heimgehen ließen.

Da jubelte Henriette die Fee, unhörbar für die Menschen.

Drei Tage später schließlich wurde die Kapitulation unterzeichnet.

Rezension „Das Meer“ von Wolfram Fleischhauer

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Hier erhältlich

Faszinierende Schilderung der Ausbeutung der Meere und einer drastischen Abhilfemethode

Diese Rezension entstand im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks. Das Thema hat mich gleich gereizt, mich für das Buch zu bewerben.

Insgesamt hat es einen starken Eindruck hinterlassen, das Thema um die Ausbeutung der Meere wird sehr gut und drastisch dargestellt, manchmal vielleicht schon etwas zu plakativ.
Die Handlung geht dafür in der ersten Hälfte noch eher langsam voran, nimmt dann aber in der zweiten Hälfte an Fahrt auf. Um die Menschen vom Fischverzehr abzubringen, wird im Handel verschiedenen Fischchargen eine Alge untergemischt, die Übelkeit verursachen und über Generationen hinweg eine Fischunverträglichkeit schaffen soll.

Anfangs fiel es mir noch etwas schwer, mich mit den verschiedenen Personen zurecht zu finden, da hätte ich mir ein Verzeichnis im Beiheft gewünscht. Im Laufe der Handlung gelang dies aber immer besser, da der Personenkreis auch nicht sonderlich erweitert wurde.
Hauptorte sind das Meer, das spanische Vigo, Frankfurt, Brüssel und verschiedene Orte in Thailand und Myanmar, wobei hier eine Karte im Beiheft noch wünschenswert gewesen wäre.

Warum der Anfang als „Prolog“ bezeichnet wird, ist mir nicht ganz klar. Denn was hier passiert, ist doch schon Teil der Haupthandlung.
Der Autor hat einen teils flüssigen, teils breiten und sachlichen Schreibstil. Was heißen soll, dass die Geschehnisse häufig minutenlang in einer berichtenden Weise vorgetragen werden, wie im Nachrichtenteil einer Tageszeitung.

Die Handlung um Adrian, Ragna, di Melo, Teresa und Render sowie einige Nebenfiguren wird im Stil einer klassischen Abenteuergeschichte erzählt, variiert um moderne Zutaten, wie Internet und Handy. Erst der Schluss weicht dann von dieser Linie ab, indem er (ACHTUNG: SPOILER!) so einiges offen lässt. Teilweise verhalten sich die Protagonisten für ihr Alter aber ziemlich naiv. Bei Adrian, der sich als Hauptfigur herauskristallisiert, mag dies noch passen, er soll offenbar dem Archetyp des Narren entsprechen. Am Schluss hat er dann dazu gelernt, zeigt mehr Interesse an den Umweltproblemen. Di Melo allerdings legt kurz vorm Schluss noch ein Verhalten an den Tag, das man von ihm eigentlich nicht erwartet hätte.
Insgesamt fügt sich zum Finale alles gut zusammen, lässt einen nachdenklich zurück.

Die Stimme von Johannes Steck trägt den Text sehr gut vor.

Fazit:
Ein sehr empfehlenswertes Hörbuch, das aktuelle Probleme gut aufzeigt und zudem, zumindest in der zweiten Hälfte, auch unterhaltsam ist.
Danke nochmals für das Rezensionsexemplar!

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Die Fee Blaubinia und der U-Kürbis – #WritingFriday, KW 43

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Gewähltes Monatsthema:
Erzähle ein Märchen über einen Kürbis.

Dies ist Hexenwerk, dachte sich Blaubinia, eine Fee mit langen, blauen Haaren, als sie den Keller des Feenhauses im Schilf betrat. Damit meinte sie nicht nur das Hochwasser, das nun den Keller, in dem so viele Feenwerkzeuge lagerten, überschwemmt hatte.
Nein, auch als sie den Kürbis mit den drei Augen sah. Diese Augen waren Löcher, wie man sie an Halloween häufig in Kürbisse bohrte, aber diese drei Löcher waren mit dem speziellen Hexenglas gefüllt, welches im Wald geblasen wurde. Diesen Kürbis musste irgendeine Hexe vor die Tür des Seeganges gestellt haben!
Dieser Gang führte vom Keller zum Feerellensee, zu einer Höhle knapp oberhalb des Ufers, welche aber momentan unter Wasser stehen musste. Von diesem See sagte man, dass über einen Bach, der in ihn floss, manchmal Feerellen in ihn gelangten, also Forellen mit Feenkräften. Gesehen hatte eine solche Feerelle allerdings noch niemand. Und von den Welsen in dem See sagte man, dass die Hexen mit deren Barteln das Wasser behexen konnten.
Da hatte die Fee eine Idee: Mit ihrer Größe würde sie gut in den Kürbis hinein passen, dies hatte sie auch schon bei anderen Exemplaren geschafft, indem sie gleichsam durch die Schale hindurch schlüpfte – dazu musste sie nur die Schale an einer weichen Stelle mit ihrem linken Mittelfinger kurz berühren, und schon wurde diese für etwa eine Minute durchlässig für sie.
Sie tastete an eine Stelle – die war zu hart! Noch eine – und noch eine – hier schaffte sie es schließlich, und von innen konnte sie gut durch die gläsernen Augen des Kürbisses blicken. Wie sie einen Kürbis zum Rollen bringen konnte, hatte sie schon früher gelernt, nämlich indem sie ihn mit je drei Fingern von beiden Händen von innen anstieß.
So fing auch dieser Kürbis nun an zu rollen, und zwar den Gang hinunter, der zum Feerellensee führte. Die Tür dazu hatte Blaubinia vorher noch geöffnet.

So landete sie schließlich im See, konnte durch die Augen des Kürbisses prima auf die Welt unter Wasser schauen. Indem sie die Innenseite weiter mit den Fingern berührte, konnte sie den Kürbis lenken. Dabei entdeckte sie ein paar umher schwimmende Welse.

An der Stelle, wo der Bach in den See mündete, tauchte sie mehrmals hin und her. Und schließlich kam aus diesem Bach eine Forelle auf sie zu geschwommen, mit einer Blaufärbung, die ihren eigenen blauen Haaren ähnelte!
Eine Weile musterte die Forelle den Kürbis, und schließlich sprach sie:
„Ich bin die Feerelle Seebachschnelle, ich wach hier über die Quelle und die Welle! Fee vom Land, wie heißt du, und womit bist du denn hierher gelangt?“
„Ich heiße Blaubinia. Und das ist ein ausgehöhlter Kürbis, den ich zu einem Unterwasser-Kürbis gemacht habe – zu einem U-Kürbis!“
„Und gefällt es dir hier unten?“
„Ja, sieht wirklich schön hier unter Wasser aus! Aber sag, über was für Kräfte verfügst du? Kannst du vielleicht gut mit den Welsen umgehen?“
„Unter anderem: Ich kann ihnen ein Teil von ihren Barteln abbeißen, ohne dass es ihnen wehtut. Ansonsten ist es in so einem stehenden Gewässer auch manchmal nötig, Sauerstoff herbei zu holen oder sauren Regen zu neutralisieren!“
„Könntest du mir dann drei Welsbarteln beschaffen? Dafür darfst du dir auch etwas wünschen!“
„Wenn du mir ein paar leckere Tierchen vom Land mitbringst, sammle ich jetzt ein paar Welsbarteln für dich!“
„Ja, das tu ich gerne!“

Also kürzte die Feerelle Seebachschnelle dann ein paar Welsen die Barteln, mit denen die Fee Blaubinia zurück in ihren Keller fuhr und sich anschließend zu der Hexe Aquagria begab, die auf allerhand Wasser- und Bodenzauber spezialisiert war.
Die Hexe erklärte dann auch:
„Mit diesen Barteln kann ich schon einmal bewirken, dass der Boden aufnahmefähiger für das Hochwasser wird! Und wenn das nächste Mal Niedrigwasser herrscht – müssen wir sehen, aber ich könnte dann damit etwas von diesem versickerten Hochwasser wieder nach oben holen!“
„Da bin ich gespannt!“, erwiderte Blaubinia. Zumindest war, als sie zurück zu ihrem Feenhaus kam, tatsächlich das Hochwasser aus dem Keller verschwunden, und auch in der näheren Umgebung war das Wasser im Boden versickert.

Hinter bloßen Knochen – #WritingFriday, KW 42

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Gewähltes Monatsthema:

Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Er sah nach hinten und ihm lief ein kalter Schauer über den Rücken, denn…“ beginnt.

Er sah nach hinten, und ihm lief ein kalter Schauer über den Rücken, denn den Knochenweich-Dämon fürchtete der Sensenmann am meisten. Gewöhnlich war dieser Dämon genauso unsichtbar wie er selbst; aber manchmal zeigte er sich kurz in Form von ein paar Knochen, die sich von alleine auflösten. Der Hautabpell- und der Muskelschwund-Dämon konnten dem Sensenmann wenigstens nichts anhaben, da er weder Haut zum Abpellen noch Muskeln hatte. Aber seine Knochen waren eben alles für ihn!

Diese Dämonen trieben sich besonders gerne in Krankenhäusern herum, aber eigentlich seltener in Kinderkliniken, und auf eine solche hatte es der Sensenmann in dieser Nacht abgesehen. Ein Mädchen und ein Junge waren bei einem Unfall schwer verletzt worden, und die Ärzte hatten ihnen hinter vorgehaltener Hand keine Chance mehr gegeben. So meinte der Sensenmann leichtes Spiel zu haben, als ihn der Knochenweich-Dämon von hinten sanft berührte: Aber eben diese Sanftheit war besonders unangenehm für den Sensenmann, wie eine sanft verabreichte Giftspritze, die stunden- oder tagelang Schmerzen verursachen konnte!

Er erinnerte sich noch genau an eine schicksalshafte Begegnung, als ein paar Ärzte dem späteren Physiker Stephen Hawking nur noch wenige Jahre gaben. Ihn hatte er erlösen wollen, doch setzte ihm damals der Knochenweich-Dämon besonders schmerzlich zu, so dass er sich jahrzehntelang nicht mehr an diesen Physiker wagen wollte, der danach noch mehr als fünfzig Jahre lebte.

Auch nach der heutigen Begegnung fühlte sich der Sensenmann so schwach, dass er zu dem Mädchen und dem Jungen ins Zimmer ging und jeweils zu ihnen sagte:

„Ihr habt Glück im Unglück gehabt, wart schon nahe am Hirntod! Aber heute kann ich meine Sense nicht mehr führen. Bald werdet ihr auch wieder gehen können, nur ein paar Narben werdet ihr davontragen, wie ich sehe! Der Knochenweich-Dämon beschert in den meisten Fällen eine Osteoporose, aber manchmal sorgt er auch dafür, dass Knochen wieder zusammenwachsen – so wie jetzt bei euch. Also lebt wohl, in siebzig Jahren mag ich euch vielleicht einmal wiedersehen!“

Beide Kinder hörten ihn nicht bewusst, da sie im Koma lagen. Doch wenige Tage später staunten die Ärzte, als beide aus diesem Koma erwachten. So wie auch zwei Tage lang niemand in der Stadt gestorben war, was es noch nie gegeben hatte, solange sich jemand im Gesundheitsamt oder im Standesamt erinnern konnte.

 

 

Milchohr – #WritingFriday, KW 41

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Gewähltes Monatsthema:
Casper der Geist kriegt unerwarteten Besuch, berichte davon.

Casper der Geist liebte es, mit der Pforte zur Welt der Sterblichen zu spielen. So auch an diesem Tag, als das Haus überraschenden Besuch erhielt: Erstmals seit langem hatte der Balltänzer; ein etwa zwölf Jahre alter Junge, jemanden zu sich eingeladen. In letzter Zeit hatte der Junge immer nur mit seinem Fußball getanzt, manchmal allein, manchmal mit seiner älteren Schwester, der das Zimmer daneben gehörte.

Die Pforte zur Welt der Sterblichen befand sich in einer Lücke zwischen zwei Schränken, die schon seit hundert Jahren in diesem Haus standen und von den jetzigen Bewohnern übernommen worden waren. Sehr lange hatte das Haus leer gestanden, doch mittlerweile mussten auch schon Jahre vergangen sein, seit die jetzige Familie eingezogen war. Am Anfang lag der blonde Junge, dem dieses Zimmer jetzt gehörte, in einer Wiege und wurde von seinen Eltern und seiner größeren Schwester in den Arm genommen. Aber nun war er fast genauso groß wie seine Schwester, die immer wieder mal rüberkam. Dann tanzten beide manchmal um den Fußball herum oder sprangen immer wieder über ihn hinweg. Deshalb hatte Casper die beiden einmal Balltänzerin und Balltänzer genannt.

An diesem Tag jedoch besuchte ein Junge mit schwarzen Haaren den Balltänzer, war fast genauso groß wie dieser. Casper konnte immer sehr gut hören, was die Menschen sprachen – umgekehrt freilich nicht. So hörte er den fremden Jungen jetzt sagen:
„Gibt es eigentlich noch einen Raum neben deinem Zimmer?“
„Nur das Zimmer meiner Schwester!“, antwortete der Balltänzer, aber der fremde Junge fragte weiter:
„Ich meinte auf der anderen Seite, wo die zwei großen Schränke stehen! Euer Korridor reicht ja noch weiter, da wäre noch Platz für einen weiteren Raum!“
„Nein, wirklich nicht!“
Doch jetzt streckte der fremde Junge seine linke Hand in die Lücke zwischen den Schränken, klopfte gegen die Wand und hielt gleichzeitig sein linkes Ohr in die Lücke, so weit er konnte. Ehe Casper sich verziehen konnte, hatte er schon dieses Ohr berührt.
Zwar spürte der Junge dies nicht, aber als er sich wieder zu seinem Freund drehte, sah dieser ihn seltsam an.
Ohne sich etwas zu denken, sagte er:
„Es hört sich irgendwie hohl hinter der Wand an! Aber was starrst du mich denn so an?“
„Dein linkes Ohr, Michi – es ist ganz weiß geworden!“

Michi sah in einen Spiegel, der an einer anderen Wand hing. Aber darin konnte er sein linkes Ohr gar nicht mehr erkennen! Er fasste mit der Hand danach, und jetzt erschien dieses Ohr doch noch in dem Spiegel, war aber in der Tat ganz weiß geworden! Sobald er es losließ, war es auch schon wieder unsichtbar im Spiegel.
Caspar probierte einfach etwas aus und sagte:
„Willkommen in der Geisterwelt!“
Michi sah den Balltänzer an und fragte ihn:
„Hast du das auch gehört: Willkommen in der Geisterwelt?“
„Ach du spinnst ja!“, erwiderte der Balltänzer und fügte noch hinzu:
„Wenn du noch mehr hörst, was ich nicht höre, nenne ich dich ab jetzt Milchohr!“
Auch Casper rief jetzt aus: „Milchohr!“
Aber der Angesprochene tat so, als hätte er nichts gehört. Mit der Zeit jedoch könnte er seine neue Gabe nutzen, da wusste Casper so einige Möglichkeiten. Schließlich gab es anderswo auch Geister, die untereinander Streiche mit den Menschen verabredeten!

Für heute hatte Casper erst einmal genug, und er zog sich in seinen türlosen Raum auf der anderen Seite der Wand zurück.