Hanna und der erstarrte Jäger – #WritingFriday

Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen. Dies ist mein Beitrag für diese Woche.

Thema ist diesmal:
Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Hanna war verliebt, doch leider…“ beginnt.

Hanna war verliebt, doch leider konnte sie nichts mehr sehen. Denn die Dunkelheit war sofort über dem Land ausgebrochen, als Hanna in der, eigentlich erst langsam einsetzenden, Abenddämmerung das Bildnis des Jägers Hardhirsch berührte.

Nicht nur herrschte draußen eine Mondfinsternis, es waren auch alle Sterne hinter irgendwelchen Wolken verschwunden. Und obendrein waren sämtliche Kerzen in der Hütte ihrer Familie und den angrenzenden ausgegangen. Ihre Eltern und drei Brüder und ihre Schwester befanden sich gerade auf den Feldern, und Hanna sollte derweil die Hütte in Ordnung halten, weil sie Schmerzen im linken Bein plagten.

Dieses Bildnis des Jägers hatte ihr Bruder Hubertus neulich aus der leer gewordenen Hütte der alten Hedwig entwendet.

Jetzt sprach eine Stimme in der Dunkelheit:
„Ein Bär hat sich auf Hardhirsch den Jäger geworfen, als dieser gerade eine Hirschkuh erlegen wollte, und ihn unter sich begraben. Doch der Boden war so weich, dass der Jäger ohne große Verletzungen absackte, aber sein Herzschlag aussetzte. Eine Fee hatte den Bären begleitet und den Jäger in eine Starre versetzt, und der Bär schaufelte neue Erde auf ihn.“

„Hat die plötzliche Dunkelheit etwas damit zu tun?“, stammelte Hanna, worauf die Stimme erwiderte:
„Ja; denn auch auf diesem Bild liegt seitdem ein Zauber. Was du jetzt tun musst, ist: Gehe in den Wald, bis zur Siebenarmeiche. Brich von ihr einen längeren Zweig ab, und stecke ihn dort in den Boden! Dafür wirst du belohnt werden.“

Die Stimme verstummte; und es blieb für Hanna wohl nichts anderes übrig: Sie musste mit ihrem schmerzenden Bein in den dunklen Wald!

Sie kannte besagte Eiche: Diese wurde so genannt, weil ihre Äste so standen, dass sie wie sieben Arme aussahen.

Zumindest kannte Hanna den Weg; und draußen war es immerhin nicht ganz so finster wie in der Hütte. Trotzdem musste sie sich ihren Weg mühsam ertasten, und ihr Bein sandte hin und wieder einen stechenden Schmerz aus. Und in ihrem Gewand mit Schürze begann sie allmählich zu frieren, hätte besser noch ihren Mantel mitgenommen.

Doch schon war der Großteil des Weges geschafft, und allmählich ragten die Äste der Siebenarmeiche wie mahnende Finger in den Nachthimmel.

Endlich konnte sie die Rinde der Eiche ertasten, und sie brach sich einen längeren Zweig ab.

Diesen steckte sie in den Boden, meinte daraufhin kurz so etwas wie eine leuchtende Fee, etwa so groß wie ihre Hand zu sehen.

Dann lichteten sich die Wolken, und der Vollmond und die Sterne kamen zum Vorschein und beleuchteten diese Stelle im Wald.

Ein Husten war zu hören; und kurz darauf erhob sich aus dem Boden ein Mann. Soweit es Hanna in dem Mondlicht erkennen konnte, war es der Jäger von dem Bildnis!

Noch einmal schwebte die leuchtende Fee herbei; und dieselbe Stimme wie vorhin in der Hütte sprach:
„Sie hat dich errettet, Hardhirsch, also versorge sie gut!“

Dieser konnte so schnell auch nicht mehr die Augen von seiner Retterin lassen, erst recht nicht später im Kerzenschein der Hütte und bei Tagesanbruch; ebenso wenig wie sie von ihm.

Bald sollten auch Glockenklänge bis hin zur Siebenarmeiche zu hören sein.

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