Conrad und seine Kundin – #WritingFriday

Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen. Dies ist mein Beitrag für diese Woche.

Thema ist diesmal:

Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “So verliebt war er schon lange nicht mehr, doch…” beginnt.

So verliebt war er schon lange nicht mehr, doch fiel es Conrad schwer, sich darauf zu konzentrieren, als er in seine Geschäftsbücher schaute. Die Coronakrise hatte auch ihm schwer zu schaffen gemacht. Sein Freund José hatte ihn schon Sinrad genannt, also Ohne-Rad statt Mit-Rad, indem er also Spanisch und Deutsch miteinander vermixte.

Der Fahrradverleih, den sie gemeinsam betrieben, hatte seit Beginn der Krise wenig Umsatz gemacht, weil eben hauptsächlich Touristen zu ihren Kunden gehörten und während der Krise weitaus weniger Touristen in ihre Gegend kamen als in den Jahren zuvor.

An diesem Abend wehte von der Wiese gegenüber ein Duft von reifen Kräutern herüber, der Conrad an einen Geruch aus der Umgebung seiner Schule erinnerte, die er zwanzig Jahre zuvor abgeschlossen hatte.

Zudem ertönte aus einem Auto, das sein Fahrer in der Nähe parkte und mit offenem Fenster Radio hörte, die Melodie von „Gitarren spielt auf“. Darin war in der sternklaren Nacht „die Liebe erwacht nach der Frau meiner Träume“. Allerdings wurde das Lied hier von den Kings Singers gesungen, die es ein wenig auf die Schippe nahmen, so dass man darüber lachen konnte.

Dennoch erinnerte es Conrad an eine Nacht in seiner Pubertät, als auf einer Feier ebenfalls dieses Lied erklang und draußen vor der Tür ein ähnlicher Duft in die Nase stieg wie jetzt gerade.

Da kam er nicht umhin, an die einzige Kundin des vergangenen Tages zu denken – männliche Kunden und gemischte Gruppen hatte es immerhin einige mehr gegeben. Doch diese Einzelfrau, mit ihren langen schwarzen Haaren, ungefähr in seinem Alter, mochte ihm nicht aus dem Kopf gehen.

Als ob sie seine Gedanken gelesen hätte, kam sie jetzt gerade die Straße herunter geradelt und hielt vor seinem Geschäft an.

„Sie haben das Fahrrad doch bis übermorgen gemietet?“, fragte er, und sie erwiderte:
„Ja; aber ich wollte Ihnen heute noch etwas sagen: In dieser Gegend möchte ich wirklich ein Häuschen für uns kaufen!“

„Ah ja, schön für Sie!“

„Also für meine zwei Kinder und mich; mein Exmann hat sich bereit erklärt, mir dies noch zu bezahlen. Dann bis übermorgen!“

Dann radelte sie wieder davon, und Conrad sah ihr nach, freute sich schon auf den übernächsten Tag.

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