Pyramide Nummer drei – #WritingFriday

Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen. Hier ist mein Beitrag für diese Woche.

Gewähltes Monatsthema:
Du gerätst über eine Zeitmaschine ins alte Ägypten, erzähle von diesem Abenteuer.

Beim Anblick dieser Maschine kann ich kaum widerstehen. Aus dem Nichts ist sie auf dem einsamen Waldweg aufgetaucht, und ihre Benutzer sind erst ausgestiegen, haben sich dann aber unsichtbar gemacht. So sagt auch niemand etwas, als ich einfach einsteige und mir die Apparatur ansehe:

Ein Hebel, ein Globus und eine Zahlentastatur, mit einer Taste für „B.C.“.

Auf dem Globus drücke ich mal auf Ägypten, tippe dieses B.C. ein und ohne hinzusehen eine vierstellige Zahl – ein bisschen Überraschung soll auch dabei sein – und ziehe den Hebel …

Sogleich umfängt mich trockene Hitze, sicherlich über vierzig Grad. In der Ferne sehe ich zwei große Pyramiden, eine dritte befindet sich offenbar gerade im Bau. Die Maschine ist im Wüstensand gelandet, ich muss jetzt wohl ein bisschen laufen.

Es fällt schwer, in der Hitze voran zu gehen; aber ich zwinge mich dazu.

Bald stoße ich auf Menschen, die nur wenig Kleidung tragen und mich anstarren – nicht nur wegen meiner blassen Haut, sondern auch wegen meiner Kleidung, die auf sie wahrlich fremd wirken muss. Denn wie sich die Besitzer dieser Maschine unsichtbar machen konnten, habe ich nicht herausgefunden.

Jetzt aber zeigen mir einige Ägypter eine Richtung an, die ich offenbar einschlagen soll. Und was ich ein paar hundert Meter weiter zu Gesicht bekomme, erinnert mich an den Turmbau zu Babel: Denn dort stehen Menschen verschiedener Hautfarben, schwarze von weiter aus dem Süden, aber auch ein paar Hellhäutige, die irgendwie hierher gelangt sein müssen. Und diese blicken mich neugierig an und machen Zeichen, mich zu ihnen zum Essen auf den Boden zu setzen. Diese Zeichensprache sind sie anscheinend gewohnt, weil sie sich auch untereinander nicht anders verständigen können. Sklaven scheinen sie aber nicht zu sein, ebenso wenig wie die Ägypter von vorhin; jedenfalls habe ich noch keinen Aufseher mit einer Peitsche gesehen.

Zum Essen haben sie eine große Schüssel mit Getreidebrei, Fleisch und Zwiebeln. Alles schmeckt für mich ungewohnt kräftig. Zum Trinken haben sie Bier, das allerdings schwächer zu sein scheint als das Bier aus meiner Zeit.

Später zeigt ein älterer Mann auf die beiden großen Pyramiden, die weiß glänzen, sagt: „Chufu – Chephren“, legt seine Hände um die Schüssel mit dem Essen, hebt sie dann in die Höhe, wie um eine dreimal so große Schüssel anzudeuten. Anschließend zeigt er auf den oberen Rand unserer Schüssel sowie auf die Baustelle der dritten Pyramide und sagt: „Menkaura!“ Dabei macht er noch eine Handbewegung nach unten.

Ich nicke, weiß zumindest, dass die großen Pyramiden für Chufu und Chephren gebaut waren, wie die Pharaonen auf Ägyptisch hießen, und die dritte für Menkaura oder Mykerinos.

Allmählich begreife ich, dass dieser Mann wahrscheinlich andeuten wollte, dass die Zeit der größten Pyramiden eine ganz fruchtbare gewesen sein muss, mit Nahrung im Überfluss, aber jetzt waren weniger fruchtbare Zeiten angebrochen. Und deshalb hatte der jetzige Pharao eine kleinere Pyramide für sich geplant, konnte sich nicht mehr leisten, mit so verringerten Ressourcen. Diese Ressourcen würden sich wahrscheinlich weiter verringern, bis sich die Pharaonen den Pyramidenbau gar nicht mehr leisten können.

Als sich die Abendsonne senkt, wird die Luft angenehm frisch. Dies bedeutet aber noch nicht Feierabend, sondern im Gegenteil stellen sich jetzt alle an die große Rampe und fassen die dicken Seile, mit denen ein großer Stein die Rampe hochgezogen wird. Auch mir weisen sie einen Platz an einem Seil zu – und irgendwie muss die Nahrung besonders kräftigend gewesen sein; jedenfalls fällt es mir unerwartet leicht, am Seil mitzuziehen. Der große Stein ist dann an seinem Platz, bevor es wirklich dunkel wird.

Mehr wird an diesem Tag nicht gearbeitet, und die Arbeiter trinken alle noch ein oder mehrere Bier. Allmählich legen sich immer mehr von ihnen zum Schlafen hin.

Ich schleiche mich fort, hin zur Zeitmaschine, die unentdeckt noch an ihrem Platz steht. Dort tippe ich 2020 ein und ziehe am Hebel.

2 Gedanken zu “Pyramide Nummer drei – #WritingFriday

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