Jo Pestum: Zeit der Träume, #WritingFriday, KW 7

writing-friday[1]

Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen. Hier ist mein Beitrag für diese Woche.

Gewähltes Monatsthema:

Welches Buch hat dich als Teenager (von 13-18) begeistert? Magst du es heute auch noch?

 

Ein Buch, das ich im Alter von 17 las und das mich lange nicht mehr losgelassen hat:

Zeit der Träume von Jo Pestum

Der Vater des Protagonisten Peter stürzt bei der Beerdigung in das offene Grab der Mutter, muss ins Krankenhaus gebracht werden. Dies ereignet sich in einem Dezember irgendwann Mitte der 70er Jahre. Peter stand dabei; und für mehrere der Anwesenden sah es so aus, als habe er seinen Vater vorsätzlich in das Grab gestoßen.

Er selbst tritt nicht in Erscheinung, sondern sechs Verwandte und Bekannte erzählen von ihm: sein Onkel väterlicherseits, seine Exfreundin, ein Schulkamerad, sein zeitweiliger Pfadfinderführer, der Pfarrer und seine ältere Schwester. Ihre Ansichten widersprechen sich häufig; einig sind sie sich aber darin, dass Peter immer ein Träumer gewesen sei.

Viele Jahre lang war sein Aufenthaltsort unbekannt. Erst als seine Mutter todkrank wurde, kam er auf eine Nachricht seiner Schwester hin zurück. Nicht einmal die Schwester wusste, wo er sich aufhielt; sie erriet lediglich, dass es ein Ort sein könnte, wo sie als Kinder einen glücklichen Kuraufenthalt erlebt hatten.

Ansonsten waren sie in einem offenbar besonders tristen Essener Arbeiterviertel aufgewachsen.

In den 60er Jahre wurden sie erwachsen, so dass der Großteil der Erzählungen wohl in der Adenauerzeit spielt.

Das spießige und autoritäre Image dieser Zeit wird hier besonders krass dargestellt, mit extrem prüden Eltern und einem tyrannischen Vater, der auch nicht über sich hinaus wächst. Und auch die Reaktionen des Sohnes sowie seine Entwicklung in der Pubertät sind besonders extrem.

Man fühlt mit den Figuren mit, auch wenn sie nicht immer sympathisch sind – auch nicht die Hauptfigur Peter, der häufig schon egoistisch handelt und sich selbst schadet, sich berufliche Möglichkeiten verbaut, anstatt sich einmal zusammenzunehmen wie sicherlich viele andere auch, die ähnlich unzufrieden mit den Bedingungen waren, in denen sie aufwuchsen. Auch seine Freundschaft mit einem Mädchen, eine der sechs ErzählerInnen, zerstört er sich, weil er sie nie richtig berührt.

Alles in allem ein lesenswertes Buch, das Teenies besonders fesseln mag, ich musste damals immer wieder hinein sehen. Heute würde ich sicherlich nicht mehr so empfinden; aber beim Hineinschauen jetzt fand ich, dass es sich immer noch gut liest.

Zeit_der_Träume

4 Gedanken zu “Jo Pestum: Zeit der Träume, #WritingFriday, KW 7

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