Klara und Obscura – #WritingFriday, KW 4

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Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen. Hier ist mein Beitrag für diese Woche.

Gewähltes Monatsthema:

Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Endlich schien es für Klara wieder bergauf zu gehen, nachdem sie …“ beginnt.

Endlich schien es für Klara wieder bergauf zu gehen, nachdem sie den ersten Felsen schon hinaufgeklettert war, und nachdem ihre Beine in den letzten Monaten zu wenig Bewegung gehabt hatten. Aber ihre sicherste Zeit war es nun einmal, wenn ordentlich Schnee lag.
Gerade war der erste Schnee in diesem Tal gefallen, aber noch nicht alle Blätter von den Bäumen abgefallen.

Und die Birke oberhalb dieser Wendeltreppen-Felsen mochte Klara immer besonders gerne. Ihre Schwester Obscura rief ihr schon von unten zu:
„Du schaffst es, Klara! Kein Wolf wird dich in dem Schnee entdecken!“
Da hatte Obscura ganz sicher Recht, dachte sich Klara.

Sie kletterte weiter die Wendeltreppen-Felsen hinauf, bis sie bei ihrer Lieblingsbirke angelangt war, deren Blätter immer so besonders schmackhaft waren. Auch dieses Mal wurde sie nicht enttäuscht, die verbliebenen Blätter schmeckten wieder einmal himmlisch!

Und kein Wolf würde sie hier im Schnee und neben dem Baum mit der weißen Rinde so leicht sehen können. Denn Klara hatte das weißeste Fell von allen Ziegen im ganzen Tal, im Gegensatz zu ihrer Schwester Obscura mit dem schon fast schwarzen Fell, die sich darum am liebsten in matschigem Gelände aufhielt, oder zwischen Bäumen, die eng beieinander standen.

Schön war auch die Sicht von hier oben auf das Tal. Da konnte Klara ihre Schwestern und ihre bockigen Brüder gut warnen, wenn ein Wolf kam, oder wenn der Hirtenjunge an seinem Feuer erwachte!

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Die Fee Glattbruchka und ihr See – #WritingFriday, KW 3

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Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen. Hier ist mein Beitrag für diese Woche.

Gewähltes Monatsthema:
Erzähle eine Geschichte über den gefrorenen See in deiner Kleinstadt.

„Schon weitgehend zugefroren, mit noch einigen Schwachstellen“, dachte sich Glattbruchka, eine Fee, deren Haare und Umhang halb grau, halb schwarz schimmerten.
„Wann werden sich die ersten Menschen wieder auf das Eis wagen?“, fragte sie Walladri, ihren Lieblingswels, der gerade mit dem Kopf das Eis an einer dünnen Stelle durchbrach.
Der Wels sagte dazu:
„Bald werde ich mich auf den Grund des Sees zurückziehen; aber ich glaube, ich werde vorher noch einen Menschen hier auf Eis einbrechen sehen!“
„Macht dir das Spaß?“, fragte die Fee, worauf der Fisch erwiderte:
„Ich möchte es denen nicht gönnen; aber manchmal macht es auch Spaß, mit den Untergegangenen zu spielen, indem wir großen Fische sie uns gegenseitig mit den Mäulern zuspielen!“
„Bitte, wenn es euch gefällt – und da hinten kommt auch schon einer!“
„Wirst du ihn auswählen?“
Da sagte die Fee:
„Dafür habe ich einmal meinen eigenen Schwur abgelegt: Weder bestrafe ich die Bösen, noch belohne ich die Guten – sondern ich lasse nur die Leichtsinnigsten durchs Eis brechen! Einmal musste ich das sogar einen ertrinken lassen, der sein Kind aus einem Eisloch ziehen wollte – doch er wog so viel, und er hat sich nicht einmal auf seinen deutlich sichtbaren Bauch gelegt, sondern blieb auf zwei Beinen am Loch stehen – da brach er unweigerlich ein!“
„Und das Kind?“
„Konnte gerettet werden?“

Jetzt beobachteten sie den Mann, der etwas in seinen Armen trug und damit auf das brüchige Eis trat. Mit schnellen Schritten schaffte er es bis fast zur Mitte des Sees, dann aber brach er ein und verlor seine Last – einen anderen Mann, der offenbar schon tot war, vielleicht ermordet.
Zu diesem toten Mann schwamm der Wels rasch hin, und gleich darauf zurück zu der Fee und sagte zu dieser:
„Den toten Mann habe ich hier schon gesehen: Es ist einer, der schon seit Jahren immer wieder an den See gekommen ist und uns Fische geärgert hat, sogar mit Steinen nach uns geworfen hat, wenn er baden wollte. Einen Hecht traf der dabei einmal sogar tödlich!“
Die Fee erwiderte:
„So werden jetzt beide Männer im See verschwinden – mein Schwur gebietet es mir, diejenigen Menschen versinken zu lassen, die sich allzu respektlos gegenüber dem Eis verhalten!“
„Das gilt aber nicht für mich!“, sagte der Wels und tauchte unter.

Kurz darauf erschien er mit einem Hecht vor dem Mann, der den toten Mann getragen hatte und mit den Armen um sein Leben kämpfte.

Ängstlich sah der Mann zu ihnen hin; da blickten der Wels und der Hecht zu ihm auf und sprachen:
„Ich bin der Wels Walladri!“
„Und ich der Hecht Hehedi!“
„Die Fee Glattbruchka hat beschlossen, dich absinken zu lassen!“
„Das gilt aber nicht für uns!“, sagte der Hecht. „Der Mann, den du versenkt hast, hat vor einiger Zeit meinen Bruder getötet; daher wollen wir dieses Mal dich retten!“
Daraufhin steckten Walladri und Hehedi die Köpfe zusammen, wobei der Wels mit seinen Bartfäden und Barteln den Kopf des Hechtes umfasste. Dann richteten sich auf, soweit sie konnten, wobei der Hecht sagte:
„Komm, Mensch, steige auf unsere Köpfe!“
„Den Weg zurück musst du aber auf dem Bauch kriechen, sonst brichst du wieder ein, und noch einmal helfen wir dir nicht!“
Daraufhin kletterte der Mann an den Fischen hoch; und als er auf ihren Köpfen stand, konnte er sich auf das Eis ziehen. Vorsichtig kroch er auf dem Bauch zurück ans Ufer, und die zwei Fische tauchten wieder unter.

Die Fee Glattbruchka hatte das Geschehen beobachtet. Als Walladri neben ihr erneut auftauchte, sprach sie zu ihm:
„Da habt ihr euch aber Mühe gegeben, diesen Menschen zu retten!“
„War auch mal ein ganz lustiges Spiel, vor allem für den Hecht!“
„Von mir aus könnt ihr es spielen, so oft ihr wollt. Es berührt meinen Schwur nicht; dieser ist erfüllt, wenn ein respektloser Mensch zumindest im Eis einbricht! Ihr müsst euch dann nur beeilen, wenn ihr noch rechtzeitig zur Stelle sein wollt.“