Die Fee Blaubinia und der U-Kürbis – #WritingFriday, KW 43

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Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen. Hier ist mein Beitrag für diese Woche.

Gewähltes Monatsthema:
Erzähle ein Märchen über einen Kürbis.

Dies ist Hexenwerk, dachte sich Blaubinia, eine Fee mit langen, blauen Haaren, als sie den Keller des Feenhauses im Schilf betrat. Damit meinte sie nicht nur das Hochwasser, das nun den Keller, in dem so viele Feenwerkzeuge lagerten, überschwemmt hatte.
Nein, auch als sie den Kürbis mit den drei Augen sah. Diese Augen waren Löcher, wie man sie an Halloween häufig in Kürbisse bohrte, aber diese drei Löcher waren mit dem speziellen Hexenglas gefüllt, welches im Wald geblasen wurde. Diesen Kürbis musste irgendeine Hexe vor die Tür des Seeganges gestellt haben!
Dieser Gang führte vom Keller zum Feerellensee, zu einer Höhle knapp oberhalb des Ufers, welche aber momentan unter Wasser stehen musste. Von diesem See sagte man, dass über einen Bach, der in ihn floss, manchmal Feerellen in ihn gelangten, also Forellen mit Feenkräften. Gesehen hatte eine solche Feerelle allerdings noch niemand. Und von den Welsen in dem See sagte man, dass die Hexen mit deren Barteln das Wasser behexen konnten.
Da hatte die Fee eine Idee: Mit ihrer Größe würde sie gut in den Kürbis hinein passen, dies hatte sie auch schon bei anderen Exemplaren geschafft, indem sie gleichsam durch die Schale hindurch schlüpfte – dazu musste sie nur die Schale an einer weichen Stelle mit ihrem linken Mittelfinger kurz berühren, und schon wurde diese für etwa eine Minute durchlässig für sie.
Sie tastete an eine Stelle – die war zu hart! Noch eine – und noch eine – hier schaffte sie es schließlich, und von innen konnte sie gut durch die gläsernen Augen des Kürbisses blicken. Wie sie einen Kürbis zum Rollen bringen konnte, hatte sie schon früher gelernt, nämlich indem sie ihn mit je drei Fingern von beiden Händen von innen anstieß.
So fing auch dieser Kürbis nun an zu rollen, und zwar den Gang hinunter, der zum Feerellensee führte. Die Tür dazu hatte Blaubinia vorher noch geöffnet.

So landete sie schließlich im See, konnte durch die Augen des Kürbisses prima auf die Welt unter Wasser schauen. Indem sie die Innenseite weiter mit den Fingern berührte, konnte sie den Kürbis lenken. Dabei entdeckte sie ein paar umher schwimmende Welse.

An der Stelle, wo der Bach in den See mündete, tauchte sie mehrmals hin und her. Und schließlich kam aus diesem Bach eine Forelle auf sie zu geschwommen, mit einer Blaufärbung, die ihren eigenen blauen Haaren ähnelte!
Eine Weile musterte die Forelle den Kürbis, und schließlich sprach sie:
„Ich bin die Feerelle Seebachschnelle, ich wach hier über die Quelle und die Welle! Fee vom Land, wie heißt du, und womit bist du denn hierher gelangt?“
„Ich heiße Blaubinia. Und das ist ein ausgehöhlter Kürbis, den ich zu einem Unterwasser-Kürbis gemacht habe – zu einem U-Kürbis!“
„Und gefällt es dir hier unten?“
„Ja, sieht wirklich schön hier unter Wasser aus! Aber sag, über was für Kräfte verfügst du? Kannst du vielleicht gut mit den Welsen umgehen?“
„Unter anderem: Ich kann ihnen ein Teil von ihren Barteln abbeißen, ohne dass es ihnen wehtut. Ansonsten ist es in so einem stehenden Gewässer auch manchmal nötig, Sauerstoff herbei zu holen oder sauren Regen zu neutralisieren!“
„Könntest du mir dann drei Welsbarteln beschaffen? Dafür darfst du dir auch etwas wünschen!“
„Wenn du mir ein paar leckere Tierchen vom Land mitbringst, sammle ich jetzt ein paar Welsbarteln für dich!“
„Ja, das tu ich gerne!“

Also kürzte die Feerelle Seebachschnelle dann ein paar Welsen die Barteln, mit denen die Fee Blaubinia zurück in ihren Keller fuhr und sich anschließend zu der Hexe Aquagria begab, die auf allerhand Wasser- und Bodenzauber spezialisiert war.
Die Hexe erklärte dann auch:
„Mit diesen Barteln kann ich schon einmal bewirken, dass der Boden aufnahmefähiger für das Hochwasser wird! Und wenn das nächste Mal Niedrigwasser herrscht – müssen wir sehen, aber ich könnte dann damit etwas von diesem versickerten Hochwasser wieder nach oben holen!“
„Da bin ich gespannt!“, erwiderte Blaubinia. Zumindest war, als sie zurück zu ihrem Feenhaus kam, tatsächlich das Hochwasser aus dem Keller verschwunden, und auch in der näheren Umgebung war das Wasser im Boden versickert.

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Hinter bloßen Knochen – #WritingFriday, KW 42

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Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen. Hier ist mein Beitrag für diese Woche.

https://readbooksandfallinlove.com/

https://readbooksandfallinlove.com/2018/10/02/writingfriday-oktober-2018-die-schreibaufgaben/


Gewähltes Monatsthema:

Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Er sah nach hinten und ihm lief ein kalter Schauer über den Rücken, denn…“ beginnt.

Er sah nach hinten, und ihm lief ein kalter Schauer über den Rücken, denn den Knochenweich-Dämon fürchtete der Sensenmann am meisten. Gewöhnlich war dieser Dämon genauso unsichtbar wie er selbst; aber manchmal zeigte er sich kurz in Form von ein paar Knochen, die sich von alleine auflösten. Der Hautabpell- und der Muskelschwund-Dämon konnten dem Sensenmann wenigstens nichts anhaben, da er weder Haut zum Abpellen noch Muskeln hatte. Aber seine Knochen waren eben alles für ihn!

Diese Dämonen trieben sich besonders gerne in Krankenhäusern herum, aber eigentlich seltener in Kinderkliniken, und auf eine solche hatte es der Sensenmann in dieser Nacht abgesehen. Ein Mädchen und ein Junge waren bei einem Unfall schwer verletzt worden, und die Ärzte hatten ihnen hinter vorgehaltener Hand keine Chance mehr gegeben. So meinte der Sensenmann leichtes Spiel zu haben, als ihn der Knochenweich-Dämon von hinten sanft berührte: Aber eben diese Sanftheit war besonders unangenehm für den Sensenmann, wie eine sanft verabreichte Giftspritze, die stunden- oder tagelang Schmerzen verursachen konnte!

Er erinnerte sich noch genau an eine schicksalshafte Begegnung, als ein paar Ärzte dem späteren Physiker Stephen Hawking nur noch wenige Jahre gaben. Ihn hatte er erlösen wollen, doch setzte ihm damals der Knochenweich-Dämon besonders schmerzlich zu, so dass er sich jahrzehntelang nicht mehr an diesen Physiker wagen wollte, der danach noch mehr als fünfzig Jahre lebte.

Auch nach der heutigen Begegnung fühlte sich der Sensenmann so schwach, dass er zu dem Mädchen und dem Jungen ins Zimmer ging und jeweils zu ihnen sagte:

„Ihr habt Glück im Unglück gehabt, wart schon nahe am Hirntod! Aber heute kann ich meine Sense nicht mehr führen. Bald werdet ihr auch wieder gehen können, nur ein paar Narben werdet ihr davontragen, wie ich sehe! Der Knochenweich-Dämon beschert in den meisten Fällen eine Osteoporose, aber manchmal sorgt er auch dafür, dass Knochen wieder zusammenwachsen – so wie jetzt bei euch. Also lebt wohl, in siebzig Jahren mag ich euch vielleicht einmal wiedersehen!“

Beide Kinder hörten ihn nicht bewusst, da sie im Koma lagen. Doch wenige Tage später staunten die Ärzte, als beide aus diesem Koma erwachten. So wie auch zwei Tage lang niemand in der Stadt gestorben war, was es noch nie gegeben hatte, solange sich jemand im Gesundheitsamt oder im Standesamt erinnern konnte.

 

 

Milchohr – #WritingFriday, KW 41

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Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen. Hier ist mein Beitrag für diese Woche.

Gewähltes Monatsthema:
Casper der Geist kriegt unerwarteten Besuch, berichte davon.

Casper der Geist liebte es, mit der Pforte zur Welt der Sterblichen zu spielen. So auch an diesem Tag, als das Haus überraschenden Besuch erhielt: Erstmals seit langem hatte der Balltänzer; ein etwa zwölf Jahre alter Junge, jemanden zu sich eingeladen. In letzter Zeit hatte der Junge immer nur mit seinem Fußball getanzt, manchmal allein, manchmal mit seiner älteren Schwester, der das Zimmer daneben gehörte.

Die Pforte zur Welt der Sterblichen befand sich in einer Lücke zwischen zwei Schränken, die schon seit hundert Jahren in diesem Haus standen und von den jetzigen Bewohnern übernommen worden waren. Sehr lange hatte das Haus leer gestanden, doch mittlerweile mussten auch schon Jahre vergangen sein, seit die jetzige Familie eingezogen war. Am Anfang lag der blonde Junge, dem dieses Zimmer jetzt gehörte, in einer Wiege und wurde von seinen Eltern und seiner größeren Schwester in den Arm genommen. Aber nun war er fast genauso groß wie seine Schwester, die immer wieder mal rüberkam. Dann tanzten beide manchmal um den Fußball herum oder sprangen immer wieder über ihn hinweg. Deshalb hatte Casper die beiden einmal Balltänzerin und Balltänzer genannt.

An diesem Tag jedoch besuchte ein Junge mit schwarzen Haaren den Balltänzer, war fast genauso groß wie dieser. Casper konnte immer sehr gut hören, was die Menschen sprachen – umgekehrt freilich nicht. So hörte er den fremden Jungen jetzt sagen:
„Gibt es eigentlich noch einen Raum neben deinem Zimmer?“
„Nur das Zimmer meiner Schwester!“, antwortete der Balltänzer, aber der fremde Junge fragte weiter:
„Ich meinte auf der anderen Seite, wo die zwei großen Schränke stehen! Euer Korridor reicht ja noch weiter, da wäre noch Platz für einen weiteren Raum!“
„Nein, wirklich nicht!“
Doch jetzt streckte der fremde Junge seine linke Hand in die Lücke zwischen den Schränken, klopfte gegen die Wand und hielt gleichzeitig sein linkes Ohr in die Lücke, so weit er konnte. Ehe Casper sich verziehen konnte, hatte er schon dieses Ohr berührt.
Zwar spürte der Junge dies nicht, aber als er sich wieder zu seinem Freund drehte, sah dieser ihn seltsam an.
Ohne sich etwas zu denken, sagte er:
„Es hört sich irgendwie hohl hinter der Wand an! Aber was starrst du mich denn so an?“
„Dein linkes Ohr, Michi – es ist ganz weiß geworden!“

Michi sah in einen Spiegel, der an einer anderen Wand hing. Aber darin konnte er sein linkes Ohr gar nicht mehr erkennen! Er fasste mit der Hand danach, und jetzt erschien dieses Ohr doch noch in dem Spiegel, war aber in der Tat ganz weiß geworden! Sobald er es losließ, war es auch schon wieder unsichtbar im Spiegel.
Caspar probierte einfach etwas aus und sagte:
„Willkommen in der Geisterwelt!“
Michi sah den Balltänzer an und fragte ihn:
„Hast du das auch gehört: Willkommen in der Geisterwelt?“
„Ach du spinnst ja!“, erwiderte der Balltänzer und fügte noch hinzu:
„Wenn du noch mehr hörst, was ich nicht höre, nenne ich dich ab jetzt Milchohr!“
Auch Casper rief jetzt aus: „Milchohr!“
Aber der Angesprochene tat so, als hätte er nichts gehört. Mit der Zeit jedoch könnte er seine neue Gabe nutzen, da wusste Casper so einige Möglichkeiten. Schließlich gab es anderswo auch Geister, die untereinander Streiche mit den Menschen verabredeten!

Für heute hatte Casper erst einmal genug, und er zog sich in seinen türlosen Raum auf der anderen Seite der Wand zurück.

Die Eiche im Martinswald – #WritingFriday, KW 40

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Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen. Hier ist mein Beitrag für diese Woche.

Gewähltes Monatsthema:

Du bist ein Baum, der gerade all seine Blätter verliert, wie fühlst du dich?

Hallo, ich bin eine noch recht junge Eiche aus dem Martinsmischwald. Dieser Wald soll eine Zeitlang nur aus Fichten bestanden haben, von denen aber vor Jahren in einem Sturm zu vielen umgeknickt sind. Da sollen sich die Menschen entschlossen haben, hier noch andere Bäume zu pflanzen.

So wachsen hier nun neben Fichten auch Tannen und eben Eichen wie ich. Die Fichten, die den Sturm überstanden haben, sagen, dass seitdem auch nicht mehr so viele Borkenkäfer ihr Unwesen treiben wie früher.

Oh Schreck, bei all dem Nachdenken habe ich jetzt gar nicht bemerkt, wie viele meiner Blätter ich in diesem Herbst schon verloren habe! Ein kalter Wind ist gerade aufgekommen, und der weht bald auch die letzten Blätter weg, die noch lose an mir haften!

Auch mein Lieblingsblatt aus diesem Jahr liegt schon am Boden, aber wie lange noch? Es war ein besonders wohlgeformtes, zuletzt mit einer ganz schönen Rotfärbung. Und in diesem Jahr sind noch nicht die Menschen mit den Laternen gekommen, die zu dieser Zeit immer wieder durch den Wald ziehen. Die kleineren unter ihnen sammeln gern Blätter vom Boden auf. Wie gerne würde ich denen mein Lieblingsblatt schenken, aber es gelingt mir nicht, das Blatt am Boden festzuhalten – meine Eicheln sind sehr klein, und meine Äste ziemlich unbeweglich, so dass ich nicht genug von ihnen auf das Blatt werfen kann.

Jetzt bewegt die Tanne mir gegenüber auf der anderen Seite des Weges ihre Zweige und schleudert einige ihrer Tannenzapfen auf den Weg – und einen besonders schönen auf mein Lieblingsblatt! Als ob sie meine Gedanken geahnt hätte, sie neigt sich auch kurz in meine Richtung!

Ein paar Tage später ist es dann soweit: Jetzt kommen wieder die Menschen mit den Laternen durch den Wald. Und zwei kleine unter ihnen erblicken den schönen Tannenzapfen und heben ihn auf, entdecken unter ihm dann mein Lieblingsblatt! Beides zeigen sie einem größeren Menschen, der mit ihnen geht, und der legt das Blatt in eines ihrer festen Dinger, die sie Bücher nennen, wo es glatt gepresst wird.
Dann ziehen sie weiter, kommen hoffentlich nächstes Jahr wieder.