Die Fee Henriette und die Hinrichtungen – #WritingFriday, KW 45

writing-friday[1]

Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen. Hier ist mein Beitrag für diese Woche.

Gewähltes Monatsthema:

Henriette war eine ganz einfache Fee. Was jedoch niemand wusste war…

Henriette war eine ganz einfache Fee. Was jedoch niemand wusste, war, dass sie hinter dieser Einfachheit ein Geheimnis verbarg. Denn ihr Name war ihr etwas mehr als dreihundert Jahre zuvor von zwei älteren Feen gegeben worden, nachdem sie gerade aus einer Blüte geschlüpft war.

Eine dieser älteren Feen lebte lange in England am Hof von Henry VIII, konnte aber erst bei dessen sechster Frau verhindern, dass sie hingerichtet wurde. Und die andere lebte in Frankreich, wollte König Henry IV beschützen, war aber gerade abwesend, als sich ein Attentäter auf den König stürzte.

Die neu geschlüpfte Fee mit dem Namen „Henriette“ sollte dann also Personen, die „Henry“ oder ähnlich hießen, vor Hinrichtungen beschützen oder von Hinrichtungen abhalten, und sich dabei möglichst unauffällig verhalten.

Seitdem waren nun mehr als dreihundert Jahre vergangen. In letzter Zeit war für die Fee diese Aufgabe besonders schwierig geworden. Denn seit mehr als fünf Jahren herrschte Krieg, und inzwischen hatte die Fee eine ebenso graue Farbe angenommen wie die Stadt mit ihren vielen Trümmern, dem Schutt und der Asche.

Das Augenmerk der Fee Henriette fiel nun auf einen Mann in einer abgestandenen braunen Uniform, der zu einer Gruppe Männer unterschiedlichen Alters sprach, die sich in einer Straße inmitten mehrstöckiger Häuser aufgereiht hatten.

Einer von ihnen fragte den Anführer in der braunen Uniform, der sich vor seiner Ansprache erst lange räuspern musste:

„Also, Herr Hinrichsen, wie sollen wir nun verfahren?“

Dieser sagte nun:

„Erst einmal begrüße ich euch alle an diesem Morgen des 5. Mai 1945! Offiziell sollen wir unser Viertel gegen die Russen verteidigen …“

„Die sind schon mitten in Berlin!“, rief einer aus, worauf Herr Hinrichsen fortfuhr:

„Aber ist ja sinnlos geworden!“

 

Währenddessen marschierte ein paar Straßen weiter ein Trupp der SS, und deren Anführer erklärte seinen Leuten:

„Die Kampfdisziplin in dieser Stadt scheint nachzulassen. Also: Jeden, der sich weigert zu kämpfen, sofort niederschießen!“

 

Ein weiterer Mann aus Herrn Hinrichsens Truppe fragte:

„Ist es sicher, dass bald jemand die Kapitulation unterzeichnet?“

„Ja, das wird in den nächsten Tagen geschehen“, erklärte Herr Hinrichsen. „Also geht heim!“

Er selbst machte kehrt, und nach und nach taten dies immer mehr von seinen Leuten.

 

Nun sah die Fee Henriette ihre Stunde gekommen, fast auf den Tag genau 335 Jahre nach dem Attentat auf Henry IV von Frankreich. Denn Herr Hinrichsen und ein Teil seiner Männer bewegten sich geradewegs auf den Trupp der SS zu. Da musste sie schleunigst verhindern, dass es zu weiteren Hinrichtungen kam!

Sie flog auf die SS zu und streute hellgrauen Feenstaub über sie aus. Dieser Feenstaub betäubte die Männer, versetzte sie in eine Art euphorischen Rausch, so dass sie Hinrichsens Leute unbehelligt heimgehen ließen.

Da jubelte Henriette die Fee, unhörbar für die Menschen.

Drei Tage später schließlich wurde die Kapitulation unterzeichnet.

Advertisements

Rezension „Das Meer“ von Wolfram Fleischhauer

DasMeer_001

Hier erhältlich

Faszinierende Schilderung der Ausbeutung der Meere und einer drastischen Abhilfemethode

Diese Rezension entstand im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks. Das Thema hat mich gleich gereizt, mich für das Buch zu bewerben.

Insgesamt hat es einen starken Eindruck hinterlassen, das Thema um die Ausbeutung der Meere wird sehr gut und drastisch dargestellt, manchmal vielleicht schon etwas zu plakativ.
Die Handlung geht dafür in der ersten Hälfte noch eher langsam voran, nimmt dann aber in der zweiten Hälfte an Fahrt auf. Um die Menschen vom Fischverzehr abzubringen, wird im Handel verschiedenen Fischchargen eine Alge untergemischt, die Übelkeit verursachen und über Generationen hinweg eine Fischunverträglichkeit schaffen soll.

Anfangs fiel es mir noch etwas schwer, mich mit den verschiedenen Personen zurecht zu finden, da hätte ich mir ein Verzeichnis im Beiheft gewünscht. Im Laufe der Handlung gelang dies aber immer besser, da der Personenkreis auch nicht sonderlich erweitert wurde.
Hauptorte sind das Meer, das spanische Vigo, Frankfurt, Brüssel und verschiedene Orte in Thailand und Myanmar, wobei hier eine Karte im Beiheft noch wünschenswert gewesen wäre.

Warum der Anfang als „Prolog“ bezeichnet wird, ist mir nicht ganz klar. Denn was hier passiert, ist doch schon Teil der Haupthandlung.
Der Autor hat einen teils flüssigen, teils breiten und sachlichen Schreibstil. Was heißen soll, dass die Geschehnisse häufig minutenlang in einer berichtenden Weise vorgetragen werden, wie im Nachrichtenteil einer Tageszeitung.

Die Handlung um Adrian, Ragna, di Melo, Teresa und Render sowie einige Nebenfiguren wird im Stil einer klassischen Abenteuergeschichte erzählt, variiert um moderne Zutaten, wie Internet und Handy. Erst der Schluss weicht dann von dieser Linie ab, indem er (ACHTUNG: SPOILER!) so einiges offen lässt. Teilweise verhalten sich die Protagonisten für ihr Alter aber ziemlich naiv. Bei Adrian, der sich als Hauptfigur herauskristallisiert, mag dies noch passen, er soll offenbar dem Archetyp des Narren entsprechen. Am Schluss hat er dann dazu gelernt, zeigt mehr Interesse an den Umweltproblemen. Di Melo allerdings legt kurz vorm Schluss noch ein Verhalten an den Tag, das man von ihm eigentlich nicht erwartet hätte.
Insgesamt fügt sich zum Finale alles gut zusammen, lässt einen nachdenklich zurück.

Die Stimme von Johannes Steck trägt den Text sehr gut vor.

Fazit:
Ein sehr empfehlenswertes Hörbuch, das aktuelle Probleme gut aufzeigt und zudem, zumindest in der zweiten Hälfte, auch unterhaltsam ist.
Danke nochmals für das Rezensionsexemplar!

Fünfeck_dunkelblauFünfeck_dunkelblauFünfeck_dunkelblauFünfeck_dunkelblau

Die Fee Blaubinia und der U-Kürbis – #WritingFriday, KW 43

writing-friday[1]

Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen. Hier ist mein Beitrag für diese Woche.

Gewähltes Monatsthema:
Erzähle ein Märchen über einen Kürbis.

Dies ist Hexenwerk, dachte sich Blaubinia, eine Fee mit langen, blauen Haaren, als sie den Keller des Feenhauses im Schilf betrat. Damit meinte sie nicht nur das Hochwasser, das nun den Keller, in dem so viele Feenwerkzeuge lagerten, überschwemmt hatte.
Nein, auch als sie den Kürbis mit den drei Augen sah. Diese Augen waren Löcher, wie man sie an Halloween häufig in Kürbisse bohrte, aber diese drei Löcher waren mit dem speziellen Hexenglas gefüllt, welches im Wald geblasen wurde. Diesen Kürbis musste irgendeine Hexe vor die Tür des Seeganges gestellt haben!
Dieser Gang führte vom Keller zum Feerellensee, zu einer Höhle knapp oberhalb des Ufers, welche aber momentan unter Wasser stehen musste. Von diesem See sagte man, dass über einen Bach, der in ihn floss, manchmal Feerellen in ihn gelangten, also Forellen mit Feenkräften. Gesehen hatte eine solche Feerelle allerdings noch niemand. Und von den Welsen in dem See sagte man, dass die Hexen mit deren Barteln das Wasser behexen konnten.
Da hatte die Fee eine Idee: Mit ihrer Größe würde sie gut in den Kürbis hinein passen, dies hatte sie auch schon bei anderen Exemplaren geschafft, indem sie gleichsam durch die Schale hindurch schlüpfte – dazu musste sie nur die Schale an einer weichen Stelle mit ihrem linken Mittelfinger kurz berühren, und schon wurde diese für etwa eine Minute durchlässig für sie.
Sie tastete an eine Stelle – die war zu hart! Noch eine – und noch eine – hier schaffte sie es schließlich, und von innen konnte sie gut durch die gläsernen Augen des Kürbisses blicken. Wie sie einen Kürbis zum Rollen bringen konnte, hatte sie schon früher gelernt, nämlich indem sie ihn mit je drei Fingern von beiden Händen von innen anstieß.
So fing auch dieser Kürbis nun an zu rollen, und zwar den Gang hinunter, der zum Feerellensee führte. Die Tür dazu hatte Blaubinia vorher noch geöffnet.

So landete sie schließlich im See, konnte durch die Augen des Kürbisses prima auf die Welt unter Wasser schauen. Indem sie die Innenseite weiter mit den Fingern berührte, konnte sie den Kürbis lenken. Dabei entdeckte sie ein paar umher schwimmende Welse.

An der Stelle, wo der Bach in den See mündete, tauchte sie mehrmals hin und her. Und schließlich kam aus diesem Bach eine Forelle auf sie zu geschwommen, mit einer Blaufärbung, die ihren eigenen blauen Haaren ähnelte!
Eine Weile musterte die Forelle den Kürbis, und schließlich sprach sie:
„Ich bin die Feerelle Seebachschnelle, ich wach hier über die Quelle und die Welle! Fee vom Land, wie heißt du, und womit bist du denn hierher gelangt?“
„Ich heiße Blaubinia. Und das ist ein ausgehöhlter Kürbis, den ich zu einem Unterwasser-Kürbis gemacht habe – zu einem U-Kürbis!“
„Und gefällt es dir hier unten?“
„Ja, sieht wirklich schön hier unter Wasser aus! Aber sag, über was für Kräfte verfügst du? Kannst du vielleicht gut mit den Welsen umgehen?“
„Unter anderem: Ich kann ihnen ein Teil von ihren Barteln abbeißen, ohne dass es ihnen wehtut. Ansonsten ist es in so einem stehenden Gewässer auch manchmal nötig, Sauerstoff herbei zu holen oder sauren Regen zu neutralisieren!“
„Könntest du mir dann drei Welsbarteln beschaffen? Dafür darfst du dir auch etwas wünschen!“
„Wenn du mir ein paar leckere Tierchen vom Land mitbringst, sammle ich jetzt ein paar Welsbarteln für dich!“
„Ja, das tu ich gerne!“

Also kürzte die Feerelle Seebachschnelle dann ein paar Welsen die Barteln, mit denen die Fee Blaubinia zurück in ihren Keller fuhr und sich anschließend zu der Hexe Aquagria begab, die auf allerhand Wasser- und Bodenzauber spezialisiert war.
Die Hexe erklärte dann auch:
„Mit diesen Barteln kann ich schon einmal bewirken, dass der Boden aufnahmefähiger für das Hochwasser wird! Und wenn das nächste Mal Niedrigwasser herrscht – müssen wir sehen, aber ich könnte dann damit etwas von diesem versickerten Hochwasser wieder nach oben holen!“
„Da bin ich gespannt!“, erwiderte Blaubinia. Zumindest war, als sie zurück zu ihrem Feenhaus kam, tatsächlich das Hochwasser aus dem Keller verschwunden, und auch in der näheren Umgebung war das Wasser im Boden versickert.

Hinter bloßen Knochen – #WritingFriday, KW 42

writing-friday[1]

Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen. Hier ist mein Beitrag für diese Woche.

https://readbooksandfallinlove.com/

https://readbooksandfallinlove.com/2018/10/02/writingfriday-oktober-2018-die-schreibaufgaben/


Gewähltes Monatsthema:

Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Er sah nach hinten und ihm lief ein kalter Schauer über den Rücken, denn…“ beginnt.

Er sah nach hinten, und ihm lief ein kalter Schauer über den Rücken, denn den Knochenweich-Dämon fürchtete der Sensenmann am meisten. Gewöhnlich war dieser Dämon genauso unsichtbar wie er selbst; aber manchmal zeigte er sich kurz in Form von ein paar Knochen, die sich von alleine auflösten. Der Hautabpell- und der Muskelschwund-Dämon konnten dem Sensenmann wenigstens nichts anhaben, da er weder Haut zum Abpellen noch Muskeln hatte. Aber seine Knochen waren eben alles für ihn!

Diese Dämonen trieben sich besonders gerne in Krankenhäusern herum, aber eigentlich seltener in Kinderkliniken, und auf eine solche hatte es der Sensenmann in dieser Nacht abgesehen. Ein Mädchen und ein Junge waren bei einem Unfall schwer verletzt worden, und die Ärzte hatten ihnen hinter vorgehaltener Hand keine Chance mehr gegeben. So meinte der Sensenmann leichtes Spiel zu haben, als ihn der Knochenweich-Dämon von hinten sanft berührte: Aber eben diese Sanftheit war besonders unangenehm für den Sensenmann, wie eine sanft verabreichte Giftspritze, die stunden- oder tagelang Schmerzen verursachen konnte!

Er erinnerte sich noch genau an eine schicksalshafte Begegnung, als ein paar Ärzte dem späteren Physiker Stephen Hawking nur noch wenige Jahre gaben. Ihn hatte er erlösen wollen, doch setzte ihm damals der Knochenweich-Dämon besonders schmerzlich zu, so dass er sich jahrzehntelang nicht mehr an diesen Physiker wagen wollte, der danach noch mehr als fünfzig Jahre lebte.

Auch nach der heutigen Begegnung fühlte sich der Sensenmann so schwach, dass er zu dem Mädchen und dem Jungen ins Zimmer ging und jeweils zu ihnen sagte:

„Ihr habt Glück im Unglück gehabt, wart schon nahe am Hirntod! Aber heute kann ich meine Sense nicht mehr führen. Bald werdet ihr auch wieder gehen können, nur ein paar Narben werdet ihr davontragen, wie ich sehe! Der Knochenweich-Dämon beschert in den meisten Fällen eine Osteoporose, aber manchmal sorgt er auch dafür, dass Knochen wieder zusammenwachsen – so wie jetzt bei euch. Also lebt wohl, in siebzig Jahren mag ich euch vielleicht einmal wiedersehen!“

Beide Kinder hörten ihn nicht bewusst, da sie im Koma lagen. Doch wenige Tage später staunten die Ärzte, als beide aus diesem Koma erwachten. So wie auch zwei Tage lang niemand in der Stadt gestorben war, was es noch nie gegeben hatte, solange sich jemand im Gesundheitsamt oder im Standesamt erinnern konnte.

 

 

Milchohr – #WritingFriday, KW 41

writing-friday[1]

Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen. Hier ist mein Beitrag für diese Woche.

Gewähltes Monatsthema:
Casper der Geist kriegt unerwarteten Besuch, berichte davon.

Casper der Geist liebte es, mit der Pforte zur Welt der Sterblichen zu spielen. So auch an diesem Tag, als das Haus überraschenden Besuch erhielt: Erstmals seit langem hatte der Balltänzer; ein etwa zwölf Jahre alter Junge, jemanden zu sich eingeladen. In letzter Zeit hatte der Junge immer nur mit seinem Fußball getanzt, manchmal allein, manchmal mit seiner älteren Schwester, der das Zimmer daneben gehörte.

Die Pforte zur Welt der Sterblichen befand sich in einer Lücke zwischen zwei Schränken, die schon seit hundert Jahren in diesem Haus standen und von den jetzigen Bewohnern übernommen worden waren. Sehr lange hatte das Haus leer gestanden, doch mittlerweile mussten auch schon Jahre vergangen sein, seit die jetzige Familie eingezogen war. Am Anfang lag der blonde Junge, dem dieses Zimmer jetzt gehörte, in einer Wiege und wurde von seinen Eltern und seiner größeren Schwester in den Arm genommen. Aber nun war er fast genauso groß wie seine Schwester, die immer wieder mal rüberkam. Dann tanzten beide manchmal um den Fußball herum oder sprangen immer wieder über ihn hinweg. Deshalb hatte Casper die beiden einmal Balltänzerin und Balltänzer genannt.

An diesem Tag jedoch besuchte ein Junge mit schwarzen Haaren den Balltänzer, war fast genauso groß wie dieser. Casper konnte immer sehr gut hören, was die Menschen sprachen – umgekehrt freilich nicht. So hörte er den fremden Jungen jetzt sagen:
„Gibt es eigentlich noch einen Raum neben deinem Zimmer?“
„Nur das Zimmer meiner Schwester!“, antwortete der Balltänzer, aber der fremde Junge fragte weiter:
„Ich meinte auf der anderen Seite, wo die zwei großen Schränke stehen! Euer Korridor reicht ja noch weiter, da wäre noch Platz für einen weiteren Raum!“
„Nein, wirklich nicht!“
Doch jetzt streckte der fremde Junge seine linke Hand in die Lücke zwischen den Schränken, klopfte gegen die Wand und hielt gleichzeitig sein linkes Ohr in die Lücke, so weit er konnte. Ehe Casper sich verziehen konnte, hatte er schon dieses Ohr berührt.
Zwar spürte der Junge dies nicht, aber als er sich wieder zu seinem Freund drehte, sah dieser ihn seltsam an.
Ohne sich etwas zu denken, sagte er:
„Es hört sich irgendwie hohl hinter der Wand an! Aber was starrst du mich denn so an?“
„Dein linkes Ohr, Michi – es ist ganz weiß geworden!“

Michi sah in einen Spiegel, der an einer anderen Wand hing. Aber darin konnte er sein linkes Ohr gar nicht mehr erkennen! Er fasste mit der Hand danach, und jetzt erschien dieses Ohr doch noch in dem Spiegel, war aber in der Tat ganz weiß geworden! Sobald er es losließ, war es auch schon wieder unsichtbar im Spiegel.
Caspar probierte einfach etwas aus und sagte:
„Willkommen in der Geisterwelt!“
Michi sah den Balltänzer an und fragte ihn:
„Hast du das auch gehört: Willkommen in der Geisterwelt?“
„Ach du spinnst ja!“, erwiderte der Balltänzer und fügte noch hinzu:
„Wenn du noch mehr hörst, was ich nicht höre, nenne ich dich ab jetzt Milchohr!“
Auch Casper rief jetzt aus: „Milchohr!“
Aber der Angesprochene tat so, als hätte er nichts gehört. Mit der Zeit jedoch könnte er seine neue Gabe nutzen, da wusste Casper so einige Möglichkeiten. Schließlich gab es anderswo auch Geister, die untereinander Streiche mit den Menschen verabredeten!

Für heute hatte Casper erst einmal genug, und er zog sich in seinen türlosen Raum auf der anderen Seite der Wand zurück.

Die Eiche im Martinswald – #WritingFriday, KW 40

writing-friday[1]

Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen. Hier ist mein Beitrag für diese Woche.

Gewähltes Monatsthema:

Du bist ein Baum, der gerade all seine Blätter verliert, wie fühlst du dich?

Hallo, ich bin eine noch recht junge Eiche aus dem Martinsmischwald. Dieser Wald soll eine Zeitlang nur aus Fichten bestanden haben, von denen aber vor Jahren in einem Sturm zu vielen umgeknickt sind. Da sollen sich die Menschen entschlossen haben, hier noch andere Bäume zu pflanzen.

So wachsen hier nun neben Fichten auch Tannen und eben Eichen wie ich. Die Fichten, die den Sturm überstanden haben, sagen, dass seitdem auch nicht mehr so viele Borkenkäfer ihr Unwesen treiben wie früher.

Oh Schreck, bei all dem Nachdenken habe ich jetzt gar nicht bemerkt, wie viele meiner Blätter ich in diesem Herbst schon verloren habe! Ein kalter Wind ist gerade aufgekommen, und der weht bald auch die letzten Blätter weg, die noch lose an mir haften!

Auch mein Lieblingsblatt aus diesem Jahr liegt schon am Boden, aber wie lange noch? Es war ein besonders wohlgeformtes, zuletzt mit einer ganz schönen Rotfärbung. Und in diesem Jahr sind noch nicht die Menschen mit den Laternen gekommen, die zu dieser Zeit immer wieder durch den Wald ziehen. Die kleineren unter ihnen sammeln gern Blätter vom Boden auf. Wie gerne würde ich denen mein Lieblingsblatt schenken, aber es gelingt mir nicht, das Blatt am Boden festzuhalten – meine Eicheln sind sehr klein, und meine Äste ziemlich unbeweglich, so dass ich nicht genug von ihnen auf das Blatt werfen kann.

Jetzt bewegt die Tanne mir gegenüber auf der anderen Seite des Weges ihre Zweige und schleudert einige ihrer Tannenzapfen auf den Weg – und einen besonders schönen auf mein Lieblingsblatt! Als ob sie meine Gedanken geahnt hätte, sie neigt sich auch kurz in meine Richtung!

Ein paar Tage später ist es dann soweit: Jetzt kommen wieder die Menschen mit den Laternen durch den Wald. Und zwei kleine unter ihnen erblicken den schönen Tannenzapfen und heben ihn auf, entdecken unter ihm dann mein Lieblingsblatt! Beides zeigen sie einem größeren Menschen, der mit ihnen geht, und der legt das Blatt in eines ihrer festen Dinger, die sie Bücher nennen, wo es glatt gepresst wird.
Dann ziehen sie weiter, kommen hoffentlich nächstes Jahr wieder.

Jenseits des Dschungels – #WritingFriday KW 37

writing-friday[1]

Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen. Hier ist mein Beitrag für diese Woche.
Gewähltes Monatsthema:
Du irrst nun schon seit mehreren Tagen durch den Dschungel, als du plötzlich …(Platz für eigene Idee)… siehst.

Mehrere Tage schon irrten Umutl, die Medizinfrau im Krokodillederanzug, und Ali Zisch, der Schlangenbeschwörer, durch den Dschungel, als sie plötzlich zwei Tiere sahen, die eine seltsame Symbiose eingingen.

Aber der Reihe nach:
In diesen Dschungel hatten sie sich im Auftrag von Don Manuel begeben, der sie dafür aus dem Gefängnis der Inquisition geholt hatte, indem er die Wächter bestach. Umutl, die heimlich alte Indio-Bräuche weiter betrieb, und Ali als maurischer Schlangenbeschwörer waren der Obrigkeit ein Dorn im Auge, weshalb ihnen der Scheiterhaufen gedroht hatte. Irgendetwas musste sich Don Manuel jedenfalls davon versprechen, dass er sie befreit hatte.

Es war einmal wieder schwül an diesem Tag, und viel Dampf lag überall in der Luft. Hinter den beiden erhoben sich Mückenschwärme, auch das Fauchen eines Jaguars war zu hören. Musste irgendwo in der Nähe lauern, hatte es aber sicherlich nicht auf Menschen abgesehen.
Schlangen konnte Ali Zisch seltsamerweise schon seit mehreren Kilometern nicht mehr wahrnehmen; und er hörte es immer genau, wenn welche in der Nähe waren, auch wenn sie noch so leise zischten.

Und nun lichtete sich vor ihnen der Dschungel, und sie erblickten ein Krokodil, um dessen Schwanz sich eine Schlange wand und in die andere Richtung als das Krokodil blickte! Dahinter führte eine Brücke über einen Fluss, und auf der anderen Seite schimmerte undeutlich irgendetwas. Aber dieses Krokodil und die Schlange bildeten wohl ein schwer zu überwindendes Hindernis!
Als Umutl und Ali näher traten, entnahm Ali dem Zischen der Schlange auch schon eine Botschaft: Wenn ihr über den Fluss wollt, müsst ihr in weitem Bogen über uns springen!

Doch da wusste Ali etwas anderes, schließlich war er jahrelang darin geübt, Schlangen seinen Bewegungen folgen zu lassen. Bei wilden Schlangen musste er dafür zwar mehr Geduld aufbringen als bei denen auf dem Basar; aber wenn er ganz langsam seitwärts ging, musste es für ihn zu schaffen sein!

Umutl ihrerseits kannte ein Duftmittel, mit dem sie Krokodile für einen Moment betäuben konnte. Allerdings musste sie dann schnell an dem Krokodil vorbei rennen; es war immer wieder schwer zu berechnen, wie lange die Wirkung anhielt.
So gelangte sie einige Zeit vor Ali, der sich langsam an der Schlange vorbei schlich, auf die Brücke, die über den Fluss führte. Jetzt könnte sie eigentlich alleine weiterziehen und sich womöglich einige Schätze sichern – aber es war in solch unbekanntem Terrain doch sicherer zu zweit. Außerdem wehte hier an der Brücke ein so frischer Wind, und es roch so würzig – richtig angenehm nach der langen Schwüle des Dschungels!

Krokodil_Schlange_50_Text

#WritingFriday KW 36 – Plusterkuchen

writing-friday[1]

Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen. Hier ist mein Beitrag für diese Woche.
Gewähltes Monatsthema:
Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Dieser kunterbunte Vogel konnte einfach nicht anders, als…“ beginnt.

Dieser kunterbunte Vogel konnte einfach nicht anders, als sich aufzuplustern, während er auf das Museumscafé zuflog.
Es war warm an diesem Tag, daher saßen viele Gäste draußen auf der Terrasse, viele von ihnen aßen Kuchen. Besonders auf den ebenfalls kunterbunten Obstkuchen hatte es dieser Vogel abgesehen und flog schnurstracks darauf zu.
Als er dort angelangt war, pickte er ein wenig in dem Kuchen herum, während gerade ein Kellner daneben stand. Dieser sagte zu den Gästen, einem älteren Ehepaar:
„Das ist Plusterkuchen – so nennen wir diesen Vogel! Ein Stammgast von uns. Aber wenn er Sie stört, kann ich ihn verscheuchen!“
„Aber nein, junger Mann“, erwiderte die ältere Dame. „Wir haben schon früher gerne Vögel gefüttert. Sie haben sicher keine Vorstellung davon, was es 1963 für ein Winter war, als wir beide noch Kinder waren! Da sind die Vögel immer wieder zu uns ans Fenster gekommen und haben sich immer über unser Brot und unseren Kuchen gefreut!“
„Da war ich noch nicht auf der Welt!“, antwortete der Kellner, und jetzt erzählte der ältere Herr:
„1985 war es dann ähnlich kalt, auch im Februar 86 und im Januar 87. Da haben unsere Kinder ebenso gerne die Vögel gefüttert!“
Jetzt drehte sich der bunte Vogel zum Museum und flog auf einen Fenstersims.

Von diesem Fenstersims aus konnte er gut ein Gemälde erkennen, mit drei nackten, dicken Menschen, die allerhand Trauben naschten. Viele Male hatte Plusterkuchen schon probiert, sich hier aufzuplustern, so weit er konnte, und dann mit aller Kraft mit dem Schnabel die Fensterscheibe zu hacken. Bislang war es ihm allerdings nicht gelungen. In den letzten Wochen hatte er seinen Schnabel zusätzlich an ein paar Felsen geschärft – und tatsächlich konnte er heute wenigstens einen Sprung in die Scheibe hacken! Da eilte ein Museumswärter herbei, und er flog lieber davon.

Alsbald ergab sich aber eine weitere Gelegenheit, denn die Scheibe musste nun ausgewechselt werden. Nachdem also der Glaser die alte Scheibe herausgenommen, die neue aber noch nicht eingesetzt hatte, flog Plusterkuchen so rasch er konnte hinein, zu dem Gemälde mit den Trauben. Dort krallte er sich fest und hackte mit dem Schnabel auf diese Trauben, schmeckte aber nur Papier! Ähnlich wie das ungenießbare Zeug, auf dem die Menschen manchmal ihr Essen aufbewahrten.

Gleichzeitig ertönte die Alarmanlage, und mehrere Wächter eilten herbei. Einer von ihnen sagte:
„Ach, das ist ja Plusterkuchen! Hat er sich jetzt an den Rubens herangemacht. Los, holt wir ihm ein Stück Kuchen! Ich kann ihn solange auf den Finger nehmen.“

Seitdem hat sich Plusterkuchen wohl wieder mit dem Café begnügt.

 

#WritingFriday KW 35 – Blick aus dem Fenster

writing-friday[1]

Diese Aktion wurde von ELIZZYs #WritingFriday von ihrem Blog read books and fall in love ins Leben gerufen. Hier ist mein Beitrag für diese Woche.

Gewähltes Monatsthema:
Blicke aus dem Fenster – was siehst du? Beschreibe dies so genau wie möglich.

Vor meinem Wohnzimmerfenster im zweiten Stock des Hauses ist der Himmel heute die meiste Zeit bedeckt.
Zwischen den Häusern erstreckt sich ein Rasen mit ein paar hölzernen Spielgeräten, umrahmt von meinem Haus und links von einem weiteren vierstöckigen, gelben Haus; weiter entfernt auf der rechten Seite ein fünfstöckiges, grünes Doppelhaus. Gegenüber liegt ein Wohnheim der Lebenshilfe, getrennt durch einen Zaun und die Einfahrt. Auch stehen an dieser „Grenze“ ein paar Bäume, und einer von ihnen färbt manche seiner Blätter schon gelb.
Draußen spielen ein paar Kinder. Heute sind gerade keine Mädchen dabei, auch nicht die zwei Schwestern aus dem Erdgeschoss, die gestern eine ganze Weile geschaukelt haben. Dafür ein paar Jungs, die schon im Teenie-Alter zu sein scheinen und die ich noch nie gesehen habe, die aber noch die Doppelschaukel benutzen. Ein paar andere Jungen sind sicherlich noch unter zehn.
Am Nachmittag kam zeitweise die Sonne hervor, jetzt aber hat es angefangen zu regnen. Nun ist auch niemand mehr draußen.