Nora Bendzko: Wolfssucht

51mcGUHmRfL

Das Cover sieht ansprechend aus, macht neugierig auf die Geschichte.
Impressum und Widmungen fände ich am Schluss besser.
Gut ist schon einmal, dass ich keine Rechtschreibfehler gefunden habe, anders als in anderen von mir rezensierten Büchern.

Allerdings ist der Stil der Autorin am Anfang noch ziemlich dick aufgetragen, vor allem im 3. Kapitel: Viele überflüssige Adjektive, zumal man in der Nacht wohl kaum die Farben so gut erkennen kann. Außerdem heißt es an einer Stelle: „… verdunkelte ein Knurren den Wald“ (??).

Ab dem 4. Kapitel wird der Stil aber besser.

Insgesamt liest sich das Buch spannend. Wenn auch das Verhalten der Hauptfigur manchmal ziemlich irrational ist, kann man der Handlung trotzdem gut folgen.
Am Ende des 5. Kapitels hält die Hauptfigur einen schon etwas zu langen Monolog.
Ansonsten stimmt aber der Stil. Es ist auch stimmig geschildert, wie sich ein Kind unter Wölfen entwickelt.

Das Ende überrascht einen, wirkt aber konsequent.

Insgesamt also eine lesenswerte Variante von Rotkäppchen und dem Wolf, vermischt mit schonungslosen Schilderungen des Dreißigjährigen Krieges.

Danke an die Autorin für das Rezensionsexemplar!

Fünfeck_dunkelblauFünfeck_dunkelblauFünfeck_dunkelblauFünfeck_dunkelblau

Julia Jenner: Jagen, Sammeln und Verlieben

61ccYrYUsXL._UY250_

Zunächst stellt die Autorin die vier ProtagonistInnen in der Gegenwart vor. Dabei wird die Hauptfigur, Maike, als eine Figur mit Ecken und Kanten gezeigt, also eine Journalistin ohne festen Job und ohne Partner. Ausgerechnet als sie ihren Liebeskummer weggesoffen und dadurch eine Migräneattacke bekommen hat, erhält sie den Auftrag, in ein paar Stunden von einem Sommerfest in einem Pfahlbautenmuseum, also mit nachgestellten jungsteinzeitlichen Pfahlbauten, am Bodensee zu berichten.

Der ziemlich zurückhaltende Gregor, der schon öfter in der Wildnis unterwegs war, aber bislang die Jägerprüfung noch nicht fertiggebracht hat, soll nun auf dem Sommerfest einen Menschen aus der Schnurkeramiker-Kultur spielen. Zunächst noch etwas blass, entfaltet er aber im Laufe der Geschichte Entwicklungspotenzial.

Ebenfalls zu diesem Sommerfest unterwegs sind Professor Haberdank, der sich für DIE Kapazität auf dem Gebiet der jungsteinzeitlichen Pfahlbauten hält, auch sonst sehr von sich überzeugt ist, sowie Ela, der volle Handlungstyp, die in einem Wohnwagen lebt und sich um einen Jungen aus der Nachbarschaft kümmert. Diese beiden wirken zunächst noch etwas stereotyp, füllen aber ihre Rollen gut aus und entwickeln sich dann doch weiter.

Diese vier kommen in einem Einbaum zusammen und geraten auf dem Bodensee in einer Mischung aus Nebel und Gewitter in eine andere Epoche, ungefähr am Übergang von der Jungsteinzeit zur Kupferzeit.

Mit dieser Situation kommen alle ganz unterschiedlich zurecht.

Die Geschichte ist sehr unterhaltsam geschrieben, auch wenn sie einem zeitweise etwas langatmig vorkommen kann, vor allem im Mittelteil. Wenngleich es in der Mitte des Buches kurz zu einer dramatischen Situation kommt, wirkt die Handlung hier eher wie eine Art Sitcom, die auf unbestimmte Zeit angelegt ist. Ungefähr im letzten Drittel zieht sie dann aber stärker an, führt schließlich zu neuen Wendungen.

Die Steinzeit wird sehr anschaulich geschildert, und die Autorin scheint sehr gut recherchiert zu haben. Es kann wirklich manches anders ausgesehen haben, als es gemeinhin dargestellt wird.

Das 12. Kapitel wirkt allerdings anfangs in zeitlicher Hinsicht nicht ganz nachvollziehbar: Innerhalb von drei Stunden ist doch etwas viel passiert, noch dazu an einem Sonntag!

Im 13. Kapitel fügt sich aber alles wieder schön zusammen.

Fazit:

Ein sehr empfehlenswertes Buch, wenn man in die Epoche am Übergang von der Jungsteinzeit zur Kupferzeit eintauchen möchte.

Fünfeck_dunkelblauFünfeck_dunkelblauFünfeck_dunkelblauFünfeck_dunkelblauFünfeck_mercury

 

 

·    

Janine Prediger: Der Dämon von Naruel – Der Berg der Elemente

51XzTMb1C3L

Im Süden des erfundenen Kontinentes Naruel gibt es kein starkes Königreich, daher konnten sich dort leicht die „Amphimen“ durchsetzen, Mischwesen aus Fisch und Mensch. Niemand wagt es, sich ihnen zu widersetzen, etwa wenn sie Kinder aus den Dörfern für sich rekrutieren. So auch die Hauptfigur PAN oder PANU, die am Anfang vier Jahre alt ist, während der Haupthandlung ist sie dann ungefähr vierzehn.
Ein heimlicher Ausflug in den Dschungel könnte ihr Leben verändern; einerseits weil sie etwas vor dem obersten Amphim verheimlicht, zum anderen durch giftige Früchte, die auf unbekanntem Terrain wachsen, die aber auch dämonische Fähigkeiten verleihen können …
Mehr vom Inhalt möchte ich hier nicht verraten.
Für Kinder ist das Buch wirklich noch nicht geeignet, zu brutal sind manche Schilderungen.

Zum Prolog:
Schön, dass dem Buch zwei Karten vorangestellt werden, eine von ganz Naruel, die andere ein Ausschnitt mit den Gegenden, in denen der Großteil des ersten Bandes spielt.
Ansonsten ist es Ansichtssache, wie man Prologe generell finden mag; bei manchen Kritikern soll allein schon die Bezeichnung „Prolog“ einen schlechten Eindruck machen.
Jedenfalls fällt es hier noch schwer, sich mit den Personen zu identifizieren; man weiß nicht immer so leicht, wer hier wer ist. So muss man erst kurz nachdenken, bevor man darauf kommt, dass offenbar Andurin „der riesige Wolf“ ist; und man weiß nicht, was für ein „Dämon“ hier bekämpft werden muss.
Die Perspektive zu Zerzey wechselt dann zu abrupt; hier wäre zumindest eine Leerzeile sinnvoll.
Grundsätzlich passt es hier aber meiner Meinung nach, weil eine Vorgeschichte geschildert wird, die zweitausend Jahre zurückliegt. Besser wäre es aber wahrscheinlich noch, wenn sie zwischendurch, an passender Stelle, von irgendeinem Weisen o.ä. erzählt würde.

Auch das erste Kapitel ist noch etwas zäh erzählt, mit langen Monologen; aber ab Kapitel 2 wird es spannend!

Allgemeines zum Schluss:
Gibt es das Wort „Quadrilogie“? Einen vierteiligen Zyklus nennt man eher „Tetralogie“; vgl. auch bei Wikipedia!

Nachdem der Anfang meines Erachtens noch ziemlich zäh ist, entwickelt sich im weiteren Verlauf eine spannende Handlung, besonders in den letzten vier Kapiteln, die Lust darauf machen, die weiteren Teile zu lesen.

Fünfeck_dunkelblauFünfeck_dunkelblauFünfeck_dunkelblauFünfeck_dunkelblauFünfeck_mercury

 

 

Iris Krumbiegel: Tintentränen

41Foh8SEA9L._SX311_BO1,204,203,200_

Dieses Buch besteht aus zwei großen Handlungssträngen:

Der eine behandelt Elsas Jugend in den Jahren von ca. 1933 – 1938, der zweite spielt in den Jahren 2014/15, als Elsa um die 95 Jahre alt wird; geschildert wird dieser Strang aus der Sicht ihres Enkels, außer am Schluss.

Einerseits ist dieses Buch etwas Besonderes, mit bemerkenswerten inhaltlichen Momenten, andererseits weist es auch ein paar Schwächen auf, vor allem in der Logik und beim Spannungsbogen im Gegenwartsteil.

Reizvoll fand ich die regelmäßige Abwechslung dieser Zeitebenen.

Die wichtigsten Figuren sind sehr gut charakterisiert; auch von vielen Nebenfiguren kann man sich gut ein Bild machen.

Der Teil mit Elsas Jugend ist durchweg spannend; es ist von Anfang an klar, dass sich die Lage früher oder später zuspitzen muss. Durch Listen, die der Sohn eines Nazis ausspioniert, erhält Elsa die Namen von Verfolgten, die demnächst verhaftet werden sollen. Nur bin ich nicht ganz sicher, ob dies über Jahre so funktioniert hätte; irgendwann hätte dieser Nazivater doch vorsichtiger damit werden müssen.

Der Gegenwartsteil ist dagegen weniger stringent. Hier erfährt der Leser nur sehr langsam, wer hier eigentlich spricht, und wann und wo dieser Teil genau spielt. Da der Ort Dresden und die Zeit großen Einfluss auf die Handlung haben, wäre es besser gewesen, wenn beides schon früher klar geworden wäre. Auch insgesamt entwickelt sich im Gegenwartsteil der Spannungsbogen nur sehr langsam; man weiß lange Zeit nicht, worauf er hinauslaufen könnte.

Sehr authentisch wirken die Schilderungen des Alltags in der Altenpflege.

Doch ist das Verhalten des Enkels insgesamt für einen 23jährgen schon ziemlich irrational.

Und auch sonst hapert hier die Logik manchmal:

Das Kapitel, in dem sich die Nachbarin als heimliche Nationalsozialistin bekennt, passt nicht zu ihrem sonstigen Verhalten. Sie muss doch im Laufe der Zeit herausbekommen haben, dass auch Elsa eine Jüdin ist. Dies ist ein Kapitel von der Art, die einem beim Schreiben mal in den Sinn kommen können, die man beim Überarbeiten aber besser streicht. Eben weil sie sich mit dem Rest der Handlung „beißen“.

Und gegen Schluss trifft der Erzähler auf einen Heimbewohner, der ihm – zunächst – Mut macht. Nur ist dessen Erzählung von seiner Karriere als Autohändler in der DDR, und wohl nicht allzu lange nach dem Krieg, gerade dort nur schwer vorstellbar.

Schön ist das letzte Kapitel aus Elsas Jugend, auch wenn hier der weitere Verlauf und weshalb sie den Krieg überlebt hat, nur angedeutet wird.

Auch der Schluss des Gegenwartsteils setzt ein Zeichen, wenngleich das Ende nicht unbedingt so hätte kommen müssen.

Insgesamt bleibt aber ein guter Gesamteindruck.

Fünfeck_dunkelblauFünfeck_dunkelblauFünfeck_dunkelblauFünfeck_dunkelblauFünfeck_mercury